• Sascha @ YOLO andersWO

Der gefährlichste Flug der Welt - Lukla, Nepal

Müde stehen wir vorm Hostel und packen unsere kleinen Taschen und Wanderrucksäcke in das wartende Taxi. Es ist dunkel, früh am Morgen, 5 Uhr. Wir sind still auf der Fahrt durch das ungewohnt leergefegte Kathmandu, dass noch schläft. Eingeengt sitzen Sathiya aus Sri Lanka, Susi aus China und ich im Taxi. Irgendwie ist jeder angespannt. In Erwartung auf das bevorstehende Abenteuer zum Everest Base Camp, aber auch besorgt, ob wir heute überhaupt fliegen werden. Seit Tagen gehen keine Flüge nach oder von Lukla. Schlechtes Wetter ist am gefährlichsten Flughafen der Welt einfach nicht zu gebrauchen. Und so sitzen bereits seit fünf Tagen 200 Wanderer in Lukla fest, wie meine Spion-Mama mir am Telefon vor der Abreise mitteilt. Heute ist der erste schöne Tag seitdem – er soll es zumindest werden.


Im Flughafen herrscht wie immer heilloses Durcheinander. Die Wartehalle für die Flüge nach Lukla ähnelt eher einer kleinen Lagerhalle, die überquillt vor wartenden Trekkern, die irgendwo auf Rucksäcken und spärlichen Sitzgelegenheiten ihr Revier verteidigen.






Der erste Flug wird schon eingecheckt. Wir haben den zweiten. Insgesamt gibt es am Tag nur drei Flüge nach Lukla im Abstand von einer Stunde. Nur früh morgens, da im Himalaya das Wetter ab Mittag immer schlechter wird.


Als die ersten Strahlen des Sonnenaufgangs langsam durch die kleinen Fenster der Flughafenhalle scheint, sind wir hellauf begeistert. «Das Wetter sieht toll aus! Wir kommen bestimmt hoch heute«, meine ich zu Sathiya, der das durchaus noch skeptisch sieht. Und nach einer weiteren Stunde warten, muss ich mich seiner Haltung anschließen und mit plötzlich nicht mehr so sicher. Keiner weiß Bescheid am Flughafen auch die Airline selber nicht, die mit Yeti Airlines übrigens einen unglaublich passenden Namen gewählt hat. Auch das Fragen an den kleinen Check-in Schaltern, die eher wie ein kleiner Limonadenstand am Straßenrand aussehen, denn wie von einer professionellen Airline, hilft nicht.





«Wir sollen einfach warten. Der erste Flug ist auch noch nicht abgehoben«, meint die etwas genervte Schalterdame, die von etwa 20 Nepalesen belagert wird. «Na dann, warten wir.« Hier und da sickert mal eine Info durch…die dann aber wieder von einem anderen Reisenden revidiert wird…Ungewissheit. «Fällt mein Traum ins Wasser?«, frage ich mich. Markus, den ich in Kathmandu getroffen hatte musste eine Woche auf den nächsten Flug warten, als seiner wegen schlechten Wetters gecancelt wurde. Zum Nägelkauen. Wir warten…….. tatsächlich 6 Stunden ….bis Sathiya plötzlich ruft, dass es los geht. Wir werden endlich in den Bus zum Flugzeug verladen werden. Schnell, schnell um dann…. dort nochmal eine halbe Stunde zu warten.


Dann aber! Türen auf und alle in die kleine Propellermaschine, die extra für den schwierigen Steilanflug auf Lukla gebaut sind (für die Interessierten – wie mich JSTOL-Flugzeuge). «Endlich! Wir kommen zum Everest«, denken ich in die freudestrahlenden Gesichter der anderen Reisenden schauend als wir die kleine Treppe in Flugzeug hochsteigen. 12 Leute fasst die Maschine sogar inklusive einer Stewardess, die uns aufgrund der niedrigen Deckenhöhe mit um 90 Grad geneigten Kopf am Eingang begrüßt.





Getoppt wird das nur durch den freien Blick aufs Cockpit, der durch keine Tür versperrt ist und wir den verdammt cool aussehenden nepalesischen Piloten mit Kaugummi und Sonnenbrille bei den Startvorbereitungen zuschauen können.







Die Freude in den Gesichtern weicht leichten Sorgenfalten und einer andächtigen Stille, die sofort im Flugzeug einkehrt, als sich die Propeller mit kleiner Rauchwolke und Fehlzündung in Bewegung setzen...«Kein Zurück mehr« ...«One way zum gefährlichsten Flug der Welt.« Ich weiß noch als ich den Flughafen als kleiner Flugzeugenthusiast immer auf dem PC im Flugsimulator angeflogen bin und……..es NIE …ernsthaft NIEEEEE geschafft habe zu landen, ohne das Ding gegen den Berg zu setzen. Die Landebahn in Lukla ist nur 527 Meter lang. Das ist schon Mal verdammt kurz für ein Flugzeug. Der Beginn der Landebahn ist direkt an einem Abhang. Der Clou in Lukla ist aber, dass die Piloten nur genau EINEN Versuch haben zum Landen, denn am Ende der Landebahn ist eine Mauer mit anschließendem Steil aufragendem Berghang. Durchstarten? Is nich. Zu früh aufsetzen? Is auch nich. Umkehren? Sowieso nich. Und das ganze natürlich noch in dünner Bergluft eingepfercht zwischen Achtausendendern auf 2800m Höhe. Ja, deswegen gefährlichster Flughafen der Welt. Und daran muss ich auch denken als wir holpernd zum Rollfeld fahren. Der letzte Unfall ereignete sich im April 2019 mit drei Toten. «Schluck«. Aber gleichzeitig denke ich an einen Satz, der mich die ganze Reise schon begleitet:


«Nichts geschieht ohne Risiko. Aber ohne Risiko geschieht auch nichts.« Henry Ford

Trotzdem das mulmige Gefühl bleibt, was sich auch ganz deutlich in den Gesichtern der anderen mitfliegenden Leidensgenossen widerspiegelt, als wir in absoluter Stille langsam abheben und das kleine Flugzeug seine liebe Mühe hat durch die steil aufragenden Wolken rechts und links zu manövrieren. Die Wolke nehmen wir mit……kurz aus dem Sitz gehoben. Okay…fliegt noch. (P.S Ich sollte irgendwie die gefährlichen Sachen weglassen, nach dem gefährlichsten Trek der Welt in China Link Blog Hau Shan)

Das Gas raus und es wird ruhiger. Die Sicht ist atemberaubend. Gründe Täler durchzogen mit Bergflüssen und in weiter Ferne die Bergriesen mit ihren weißen Spitzen. Ein wenig Zeit zum Genießen bevor es nach 45 Minuten bergab geht...der Pilot nimmt den Gashebel an der Decke des Cockpits schnell zurück und wir werden langsamer. Vor uns aus dem Cockpitfenster sehe ich nur die Berghänge, auf die wir zusteuern. Wunderschön grün und potentiell unsanft, um darauf zu landen.


«Wo ist die Landebahn?«




Keine Ahnung. Ich kann nix sehen. Wir sind schon unter den Bergspitzen rechts und links neben uns die näher kommen. Ich sehe aber noch gut Platz unter uns als ich aus dem Bullaugenfenster zu Seite schaue. Wir durchfliegen eine kleine Wolke. Dann zieht der Pilot hoch. Die Überziehwarnung ertönt mit kreischendem Ton aus dem Cockpit und tatsächlich ist da eine Landebahn, die echt erst Sekunden vor dem Aufsetzen sichtbar ist und wir diese auch im zweiten Holpersprung erwischen. Geschafft. So n bisschen kalter Schweiß war doch dabei und ich rufe Sathyia erleichtert


«We made it«,

zu als wir aus dem Flugzeug steigen. Die Erleichterung ist auch ihm anzumerken. Puh. Das Gefühl nach solchen Erfahrungen ist aber immer wieder Wahnsinn und ich glaube echt das es süchtig machen kann. Der Kick nach den Dingen, die mir den Angstschweiß auf die Stirn treiben und das grenzenlose Lächeln, dass mir für Stunden auf den Lippen bleibt, wenn du alles überwunden hast.









In Lukla treffen wir einem der Gasthäuser direkt an der Landebahn Sudibh, unseren Porter. An Sudibh sind wir über Deepak im Glasshouse Hostel gekommen (Link Blog Kathmandu). Für 20 Dollar am Tag teilen wir uns Sudibh zu dritt. Und er wird einen Teil unseres Gepäcks tragen. Es gibt zwar auch günstigere Träger (ab etwa 10 Dollar), die rennen dann aber voraus und können kein Englisch. Sudibh hingegen wird bei uns bleiben und kann auch etwas Englisch. Gesamt können die Träger etwa 20 Kg tragen und diese Entlastung wird echt toll sein, wie wir später noch merken werden. Generell wollte ich ja alles allein machen. Also ohne Träger und Guide. In Peking hatte ich aber Jessi kennengelernt (siehe Blog Peking), der 6 Jahre in Nepal gelebt hat. Er hatte mir geraten einen Träger zu nehmen, da die das Geld hier echt gebrauchen können. Also keine falsche Überheblichkeit. Ich solle nur die Träger direkt buchen und nicht über eine Agentur in Kathmandu. So bleibt alles bei den Trägern, die wie Sudibh aus den umliegenden Dörfern von Lukla kommen. So bezahlen wir Sudibh auch direkt alle drei Tage in Cash. Übrigens wird man am Flugplatz in Lukla erstmal von etwa 20 Trägern in Empfang genommen, die gern ihre Dienste anbieten. Man kann also ganz easy auch ohne vorher gebuchten Träger hinfliegen.



Für mich war die Entscheidung für einen Träger auch deswegen wichtig, um jemanden dabei zu haben, der sich mit dem Gelände und vor allem dem Wetter hier auskennt. Es geht zwar auch gut allein – denn verlaufen kann man sich kaum zum EBC (Everest Base Camp) - es gibt nur einen Weg. Die Leute vor Ort Wissen aber einfach wann und wie schnell ein Unwetter aufzieht, was ja bekanntlich in den Bergen gerne mal überraschend kommt, obwohl das Gestöber Meilen weit entfernt scheint. Soviel weiß ich noch aus meiner Zeit als Gebirgsjäger in der Armee. Der zweite Grund ist einfach einen Ansprechpartner zu haben, der des nepalesischen mächtig ist und die Anzeichen von Höhenkrankheit kennt und einzuschätzen weiß. Denn selber bekommt man das meist nicht richtig mit. Kopfschmerzen werden wir alle bekommen auf der Höhe, soviel ist sicher, aber ab wann es gefährlich wird, das wissen nur die erfahrenen Einheimischen wie Sudibh, der zum zwanzigsten Mal zum Everest Base Camp läuft.





Tipps: Entgegen einem Träger würde ich aber keinen Guide empfehlen, die kosten schnell mal 30 bis 50 Dollar am Tag, tragen kein Gepäck und können einem auch nicht mehr erzählen als die Träger. Also klarer Tipp: EBC nur mit englischsprachigem Träger. Sudibh wird von jedem etwa 5 Kg und jeder von uns wird nochmal etwa 3 Kg im Tagesrucksack selbst tragen (Kleine Packliste: Daunenjacke, Waschzeug, Unterwäsche, warme Trekkingsocken, Powerbank…oder Solarladegerät (gaaanz wichtig), Stirnlampe, Batterien, Badelatschen, Mützen, Sonnenbrille, Sonnencreme LSF50, Thermounterwäsche, Regenponcho, Powersnacks und Schoki, warme Handschuhe, Fleecejacke, Wasserreinigungstabletten, Wiederbefüllbare 1l Flasche möglichst auch Hitze resistent (Tip: Heißes Wasser in die Flasche fürs Bett), Buff, Gute hohe Wanderschuhe, Handy, Kartenmaterial, Schreibzeug, Toipapier, Handdesinfektionsmittel, Medipack, Kopfschmerztabletten, Durchfalltabletten, Kamera, Kameraakkus, Kameraladegeräte, Ladekabel, Wanderstöcke (ja, echt hilfreich), Handtuch, Creme, T-Shirts für 3 Tage (Ihr duscht eh nich), Trekkinghose ggf. 2mal, Nähzeug, Wasserdichte Sporttasche für den Träger). Um den Trail zu gehen braucht man übrigens zwei Permits, die man aber nicht vorher besorgen muss. Ganz entspannt wird man auf dem Weg zur Kasse gebeten. Insgesamt 37 € pro Nase.





Endlich geht es los. Mein Traum soll wahr werden: Den Everest – den höchsten Berg der Erde mit eigenen Augen sehen. Unnütze Nebeninfo: Eigentlich ist der höchste Berg der Erde ja der Mauna Kea auf Hawaii, der vom Meeresboden gemessen knapp 10000m misst….aber auf dem war ich schon. Hashtag Dämliches Angebergrinsen.

Nach kurzem Essen und kleiner Planung brechen wir auf zu den ersten zwei Stunden Wanderung nach Phakding – unsere erste Übernachtung. Ein kleines Bergdorf mit Wegen, die in Steinmauern eingefasst sind und ein Bergfluss der tosend unseren Weg begleitet. Die Landschaft ist erstaunlich grün und wir sind von Wäldern umgeben, die in Wolken verhangen sind. Die ersten Hängebrücken werden überquert und Yaks kreuzen gelangweilt den Weg. Für mich ist alles aufregend.







Fotos von der Brücke , Fotos von dem Fluss. Ich bin endlich hier und freue mich wie Bolle auf diesen Weg der vor mir, vor uns liegt. Ich bin froh, dass ich den Weg nicht allein gehe, sondern tolle Begleitung habe. Gerade mit Satiya verstehe ich mich blendend. Mit Susi zwar auch…nur gestaltet sich die Kommunkation aufgrund der sehr geringfügigen Englischkenntnisse unserer schönen chinesischen Begleiterin etwas holpriger.

Natürlich hab ich am Everest keinen Laptop dabei. Also muss ich mir etwas anderes einfallen lassen um das alles festzuhalten. Zwei Wochen werden wir unterwegs sein und ich finde die Idee ganz nett alles in kleine Tagebuchnotizen im Handy festzuhalten. Die Tagebuchform fand ich sowieso ganz passend dafür…. wie die alten Abenteurer am Nordpol ala «Am zehnten Tag im Eis waren wir gezwungen die Schlittenhunde zu essen. Der Schiffsarzt leidet unter Skorbut und die Mannschaft meutert.« Fand ich jetzt ganz witzig. Also nicht das mit den Hunden, sondern den Stil.


Tag 1: Phakding

Liebes Tagebuch……es ist wunderbar endlich auf dem….von Yaks zugeschissenen Weg nach Phakding zum höchsten Berg der Erde zu laufen. Keine Beschwerden, gute Begleitung, das Wetter ist feucht aber warm. Wir haben sicher noch gute 15 Grad. Kein Grund zum Meck….ääääää…..«Voll in die Yaksch…ße getreten.« Höhe des Haufens: 2800m.



Mehr gibts im zweiten Teil zu meinem Everest....soon!

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