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Der Konsul von Bangladesh - Kathmandu, Nepal

Ich bin zurück in Kathmandu. Zurück im schönen Glasshouse Hostel. Da wo ich mich wohlfühle. Ich hatte noch einen kleinen Abstecher nach Bandipur im Herzen Nepals unternommen. Hier sollte mich nach den Erzählungen eine urige Bergstadt erwarten, die seit Jahrtausenden ihr Gesicht nicht geändert hat. Leider trifft auch hier der Satz «Nichts ist beständiger als der Wandel« zu.


Bandipur wurde längst als Zwischenstopp von Touristen aus aller Welt und vor allem Motorradreisenden entdeckt. Der Ausblick auf das Himalayamassiv von den überhängenden Terrassen in die umgebenden Schluchten des Ortes ist zwar immer noch wunderschön. So schnell bekommt man diese Natur eben doch nicht klein. Die Menschen und das damit einhergehende Lebensgefühl passen sich jedoch etwas schneller an.

Bandipur wirkt für mich leider entgegen der Erfahrungen die ich in ganz Nepal machen durfte, wie ein etwas herzlos gewordenes Touristenörtchen. Überteuerte Preise, italienische Restaurants, Luxushotels in altem Stil oder überteuerte Bruchbuden. Alles was das Pauschaltouristenherz begehrt. Meins eher nicht so. Und so fahre ich schon nach kurzem Aufenthalt wieder weiter zurück nach Kathmandu, wo mich Sita und Deepak auch schon freudig erwarten. (Link Blog Kahmandu)


Ich merke meine Zeit in Nepal neigt sich dem Ende. Ich bin schon gut 6 Wochen hier und könnte wohl noch eine Weile bleiben. Aber die Welt hat noch ein paar Abenteuer für mich bereitgestellt. Nur muss ich entscheiden, wo der richtige Platz dafür ist. Wie mache ich weiter? Indien ist das nächste Land, das mich reizt und auch nahe liegt. Das Taj Mahal steht auf meiner Liste recht weit oben.


Als ich vor ein paar Jahren in Kambodscha in Angkor Wat war …immernoch einer der schönsten Orte, die ich kenne….habe ich auf einer kleinen Parkbank einen alten Finnen getroffen, der schon um die ganze Welt gereist war.


Er sagte mir, dass mein Englisch ziemlich toll ist – was gelinde gesagt zu diesem Zeitpunkt ziemlich bescheiden war – trotzdem machte ihn das natürlich gleich sympathisch. Merke: Gegen Komplimente kann sich keiner wehren.


Wovon er mir aber berichtete war, das Taj Mahal. Für ihn einer der magischsten Orte auf diesem Planeten. Und das ist mir bis heute im Kopf geblieben. Der Alte Finne mit langem weißen Bart und Cappy auf der Parkbank in Ankor Wat, der seine Melone aus der Plasiktüte schlürft und weise von der Welt erzählt. Danach habe ich in Angkor Wat noch Leonardi DiCaprio getroffen. Aber das ist ja mal wohl n Scheiß gegen den alten Finnen. Der Leo hat mir auch kein Kompliment gemacht, der Sack. Hashtag Klagewelle von Leo ….Hashtag Rechtschutzversicherung. Smile.

«Tief Lufthohl vom Abschweifen«……Auf jeden Faaaaaallllll……möchte ich den Norden Indiens bereisen. Delhi, Agra, Kalkutta immer gen Osten.


Und im Osten Indiens ist Bangladesh. Ich habe keine Ahnung warum. Aber irgendwie zieht es mich nach Bangladesh. Ich habe wirklich keine Ahnung warum. Aber vielleicht ist es gerade das. Ich weiß -außer das alle meine T-Shirts und Jeans wohl da her kommen – rein gar nix über Bangladesh. Das Unbekannte reizt mich. Gerade die Erfahrungen aus Russland, vor dem ich solchen Respekt vor der Reise hatte, die sich dann in extatisches Wohlgefallen aufgelöst haben, geben mir wohl hierzu Auftrieb. (Link Blog Ouzo mit dem Busfahrer). Und ich kenne auch keinen der jemals in Bangladesh war.


Nur benötigt Bangladesh ein klein wenig mehr Vorbereitung. Ist das Indienvisum ganz einfach 4 Tage vor Einreise Online und für etwa 50 Euro erhältlich brauche ich für Bangladesh vorab ein Visum. Gerade wenn ich von Kalkutta nach Bangladesh mit dem Zug fahren will.


Ich könnte das Visum für Bangladesh ja in Indien beantragen. Nur graut es mir irgendwie in meiner Gedankenwelt davor mich mit gefühlt 50 Millionen Indern in einer hektischen Menge feilschend, drängelnd und lautstark mit Pässen wedelnd in der Botschaft in Delhi um mein Visum zu bemühen. Zumindest sieht das in meiner Gedankenwelt so aus.


Das stelle ich mir im mittlerweile für mich recht entspannten Kathmandu etwas einfacher vor. Ich schreibe die bangladesische Botschaft in Berlin an, die ich um Hilfe bitte. Die verweisen mich auf die Botschaft in Kathmandu. Na dann auf geht’s.


Die Botschaft ist schnell gefunden. Sie liegt weit außerhalb vom Stadtzentrum, so dass ich die Gelegenheit habe auch ein wenig das authentische Kathmandu abseits der Bergsteigerzentren kennenzulernen. Hier sieht man, das Nepal immer noch ein armes Land ist. Keiner spricht mehr Englisch und trotzdem bleibt die nette Art und das Lächeln der Nepalesen erhalten.

Ich bin um 13 Uhr an der Botschaft. Der lächelnde Soldat am Eingang der Botschaft gibt mir kurz zu verstehen zu warten. «Es ist grad Mittagspause«. War ja klar. Also warte ich und hole mir bei der netten alten Dame im kleinen Cafe um die Ecke ne Cola und ein Eis. Es hat ja immer noch gute 30 Grad in Kathmandu.

Dann winkt mich der Soldat herbei und verweist mich an den Mitarbeiter am Eingang, der die Finger noch voll Soße hat und wohl frisch gestärkt wieder ans Werk geht.


Er begrüßt mich freundlich, doch leider besteht der Inhalt des zweiten Satzes -während er sich die Finger leckt – daraus mir mitzuteilen, dass Visa nur am Morgen von 9 bis 12 ausgestellt werden. Ich müsse noch mal wiederkommen, obwohl die Botschaft bis 5 geöffnet hat. Zu guter Letzt – die Finger sind mittlerweile blitzeblank – eröffnet er mir, dass die Botschaft jedoch morgen (Sonntag) geschlossen sei und ich erst am Montag wiederkommen könne.


Okay. Mahlzeit.


Etwas ernüchtert laufe ich die gut 5 Km zurück ins Hostel. Wenn ich schon mal hier bin, dann schau ich mir Kathmandu auch mal von etwas außerhalb an….das ist sooo schön wenn man Zeit hat. Ehrlich.


Immer wieder halten Mopeds an und wollen mich mitnehmen, was ich dankend ablehne. Trotzdem finde ich das ziemlich toll. Diese Kultur des Mitnehmens, die ich häufig in Asien erleben durfte. Man lernt sich kennen, ist dankbar und oft springen tolle Tipps von den Einheimischen dabei raus. Stell dir das mal in Deutschland vor. Wer nimmt schon den Araber in vom Staub und Dreck eingehüllten Hosen und ungepflegtem Bart (ja…so sehen meine Hosen aus und auch mein Bart) vom Straßenrand mit…mit einem Lächeln.


Zurück im Hostel treffe ich Sandra aus Nürnberg, die die ersten Tage ihrer 4-monatigen Weltreise hat und schon einiges dafür mitbringt - Nämlich ihr unbändiges offenes Gemüt und ihr Enthusiasmus. Ansteckend. Auch Harold gesellt sich zu uns. Harold ist Texaner. Aber kein gewöhnlicher Texaner mit Cowboyhut und Slang….also ein wenig Slang schon. Aber Harold ist mal verdammt weltoffen. Er will tief rein in die Kulturen, was ihn bisher dazu gebracht hat, dass er schon mehrere Jahre in Indien und jetzt China gelebt hat. Er spricht fließend Hindi und auch Chinesisch.


Was natürlich zu unglaublich tollen Gesprächen führt. Ganz anders als mit dem ein oder anderen Amerikaner – nicht nur an der freundlichen Oberfläche. Tiefgründig. Ich sag ja. Ganz anders der Harold, dessen Facebook Titelbild ihn übrigens mit goldenem Harnisch in Strumpfhosen und Weihnachtsmütze zeigt.…ich sag ja….anders.


Gerade eine Konversation ist bei mir mit ihm hängengeblieben, als ich ihn Frage warum er denn nach China und Indien wollte, obwohl er übrigens auch kein scharfes Essen mag.


Er antwortet, dass er schlecht in Sprachen ist….

ich stutze. «Was?! Du kannst Hindi und Chinesisch!«.


«Ja« antwortet er. «Ich war schlecht in Sprachen und bins immer noch aber ich habe die Herausforderung gesucht. Chinesisch klang unvorstellbar für mich. Also hab ich mich dem gestellt und zwar voll und ganz.


Ich glaube, dass Menschen wie du und ich die Herausforderungen brauchen. Ein bestimmter Menschenschlag eben. Weil wir wissen, dass wir dadurch über uns hinauswachsen.«

Da bleibt mir die Spucke weg. Von nem Ami das zu hören, hätte ich nicht gedacht. Die Wege des Herren oder wem auch immer….sind unergründlich, denke ich mal wieder.


Apropos unergründliche Wege….Botschaft die Zweite. Am Montag morgen mache ich mich auf den Weg. Um neun sollte ich da sein. Wieder zum lächelnden Soldaten, der mich entspannt WIEDER zum Warten verdonnert. Wieder lächle ich die alte Dame im Cafe an und weiß jetzt warum sich der Standort des Cafes für Sie rechnet. Daher kommt wahrscheinlich ihr verschmitztes Lächeln.


Eine gute Stunde später lässt man mich aber tatsächlich rein. Ein beachtlicher Prachtbau, der von außen gar nicht so aussieht. Säulen, Palmen…nett. Uuuuund nix los.


Ich gehe zum Empfang und frage nach dem Visa. «Business ?« fragt sie und ich verneine. «Tourism« erwidere ich. Ihr blick verdunkelt sich und sie schaut verdutzt drein. «Normalerweise gibt es hier keine Touristenvisa« meint sie.


«Is jetzt nich euer Ernst?!«

denke ich. Ich erkläre ihr, dass ich mit der Botschaft in Deutschland geschrieben habe und zeige ihr auch die Mails. «Okay…ich frage beim Konsul nach!« und ich nehme erstmal Platz.


Gut eine Stunde später ruft mich die Dame auf. «Der Konsul hat jetzt Zeit für Sie« und sie zeigt auf einen Raum im hinteren Teil des Gebäudes. «Wat? Der Konsul? Mit dem soll ich jetz reden?« Immer noch im Backpackerstyle.


Das Gedankenkarusell stellt sich einen hochehrwürdigen Vertreter des Landes Bangladesh vor, der in Anzug in seinem Oval Office Empfänge abhällt. Ich komme mir etwas underdressed für ein derartiges Vorsprechen vor.


Die Wahrheit sieht aber wie immer anders aus. Als ich das etwa 3 mal 3 Meter große dunkle Büro betrete fühle ich mich wie beim Arbeitsamt. Ein grauer kleingewachsener Herr in den 50ern begrüßt mich hinter einem riesigen Aktenberg -echt wie im Film – etwas genervt von unten nach oben blickend durch seine 70er Jahre Hornbrille.

Er wirkt wie ein Sachbearbeiter längst vergangener Zeiten. Nix mit Glamour.


« I am the Consul of Bangladesh. How can i help you?«

fragt er. Ich fühle mich prompt wieder angemessen gekleidet im Backpackerstil und erörtere mein Anliegen, dass innerhalb von 5 Sekunden abgelehnt ist. «Wir stellen hier nur Business Visa aus. Egal was die Deutschen erzählen.« Ich versuche es noch zwei Mal mit viel Nettigkeit, was aber im Sande bzw. Aktenberg versiegt.


Dann verschieben wir das mit dem Visa mal auf später.


Aaaaaaaber ich habe den Konsul von Bangladesh getroffen.

Und so nehme ich Abschied von Kathmandu und Nepal, diesem einmaligen Land, dessen Schönheit sich nochmal aus dem Flugzeug in ganzer Pracht offenbart. Der Himalaya sieht hier richtig wie eine Wand aus, dessen weiße Spitzen in der Ferne wirklich steil aufragen. Wer das Mal gesehen hat, wird verstehen, warum die Wolken sich zur Monsunzeit hier brechen. Majestätisch und lange überragen diese Bergspitzen unsere eigene Flughöhe.

Nepal hat mich viel gelehrt, denke ich, während wir steigen:

Ehrliche Freundlichkeit öffnet nicht nur Türen sondern ganze Welten, zu den Menschen, die mich umgeben. Das Lächeln der Nepalesen und die «alles geht irgendwie«- Mentalität bleibt hängen.


Wenn dich Unerwartetes trifft, wie zum Beispiel ein Schneesturm am Mount Everest…bau nen Schneemann!


Und Sita und Deepak haben mich auch etwas über Ihre Liebe gelehrt. Ehrliche aufrichtige Zugewandtheit und im Kern ein unzertrennliches Team mit den gleichen Zielen zu sein, ist ihre Essenz. Ihre Liebe braucht kein Monument (wie so schön im Song von juli «Nur ein Wort« beschrieben) um alles zu manifestieren. Sie sind. Und dann bauen sie sich ihr Schloss …ihr Hostel…zusammen auf. Das habe ich wohl gern falsch gemacht…früher. Erst das Schloss gebaut und darauf vertraut, dass wenn man alles hat, der Rest ja ganz einfach ist. Andersrum. Nicht das Haus, Schloss oder Kinder sind Fundament einer Beziehung sondern das Team, das sich unterstützt und im Grunde das Gleiche will vom Leben. Dann kann man sein Schloss wohl überall bauen. Wenn das Team aber nicht passt, ist der Palast ein Gefängnis, und kann das auch nicht wett machen. Das bedingt aber das das beide auch so sehen und aufrichtig sich aufeinander zubewegen. Und da hilft das Lächeln, dass ich aus Nepal mitnehme, sicher auch. Und hat mich schon bis hier über die hohen Berggipfel des Himalaya getragen.


Danke Nepal.

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