• Sascha @ YOLO andersWO

»I am famous« - Krasnojarsk

Ich bin in einem neuen Hostel in Krasnojarsk. Leider konnte ich in meinem anderen Hostel nicht mehr bleiben, da sich eine ganze Gruppe von Chinesen angekündigt hat, die mir jetzt leider meinen Hostelplatz streitig machen. Auch nicht schlimm. Im Hostel angekommen, muss ich mal wieder waschen. Mein Gepäck gibt nur etwa eine Woche her. Dann ist Laundry angesagt. In Russland geht das echt super. Bis jetzt hatte echt jedes Hostel ein oder zwei Waschmaschinen. Einmal sogar einen Trockner. Meist kostet das Waschen in den Hostel 150 Rubel im Schnitt also gute 2 Euro....wie auch hier. Einziges Thema....die Waschprogramme der Maschinen sind natürlich in Russisch......äääähhh...Pflegeleicht? Und wie regle ich die Waschzeit von 3 Stunden auf etwas weniger, damit ich nicht alle anderen Hostelbewohner von Ihre Wäsche abhalte?


Ich probiere es...da der Hostelbetreiber gerade nicht da ist, um zum helfen. Nach 10 Minuten rumprobieren eilt mir einer der russischen Hostelbewohner zur Hilfe, da ich ihnen wahrscheinlich mit meinem Rumgetippe, bei dem die Waschmaschine jedesmal einen lauten Piepton von sich gibt und zwei Peiptöne, wenn irgendetwas an der Einstellung falsch ist, gehörig auf den Sack gehe.


Aber auch er kommt nicht so richtig weiter. Wir finden aber eine Einstellung die uns beiden zusagt. 30 Minuten 40 Grad....von mir aus...besser wird's nicht....und wenn es das Seidenprogramm ist.


Die Männer sind zu zweit. Alexej und Anton sind Arbeiter. Was sie arbeiten kann ich nicht genau sagen. Sie kommen aber ursprünglich wohl aus der Nähe von Yekaterinburg und arbeiten hier. Ich vermute Baubranche, nach den Klamotten zu urteilen. Sie Fragen mich wo ich herkomme und wir sprechen ein wenig mit Händen und Füßen. Alexej´s Schwester wohnt in Karlsruhe halten wir fest und dann wollen mich die beiden zum Wodka einladen. Aber auch meine zweite Einladung zum Vodka (die erste war im Zug von Moskau nach Kazan) wird nicht klappen. Denn diesmal muss ich ablehnen. Ich begründe es damit, dass ich verabredet bin. Das verstehen die beiden natürlich und lassen mich nach einer kurzen Nachfrage wann ich denn verabredet sei (in 30 Minuten) auch ziehen. Hätte ich zwei Stunden bis zur Verabredung gehabt, wäre ich wohl nicht mehr ansprechbar gewesen.


Ich treffe mich mit Vera. Wir wollen uns um 21 Uhr am Zentralpark in Krasnojarsk treffen. Aufgrund der Größe der Innenstadt von Krasnojarsk komme ich leider etwas zu spät. Und sie kommt mir entgegen. Vera ist Designerin und Grafikerin....und ist nervös, weil sie glaubt ihr English sei nicht gut genug....also schlägt sie vor....wir sollten erstmal dringend was trinken....


und ich hab den Wodka sausen lassen! (wieder einmal: Flache-Hand-gegen-die-eigene-Stirn-Hau-Smiley)

Dann wäre ich ja zumindest schon warm gewesen. Dann eben so. Wir laufen durch den Abend und unterhalten uns über Ihre Arbeit und Sie zeigt mir das älteste Gebäude in Krasnojarsk. Wieder einmal sehe ich etwas....was eben nicht in den Reisführern steht und ich wohl nie gefunden hätte. Wir helfen uns gegenseitig beim Verständnis. So war die Abmachung vor dem Treffen. Ich helfe Ihr beim Englisch und Sie mir beim Russisch. Und genau so machen wir es auch....und der google Translator (du tolle Erfindung) hilft uns auch.


Es ist kurz vor 22 Uhr. Die Nacht ist warm und wir beide wollen noch ein wenig draußen sitzen. Also schlägt Vera vor, dass wir etwas zu Trinken holen und uns dann ans Ufer des Jennisei setzen. Da bin ich gern dabei. Also ab in den nächsten Kiosk.....»Do you like Cognac?«....ähhh...»Da« (ja). Mal sehen wo das hinführt....Probieren geht über studieren, denke ich. Wir kaufen eine kleine Flasche Cognac und zwei kleine Flaschen Cola....»So machen das die Russen« sagt sie mir. 



»Wir müssen aber ein bisschen aufpassen....wegen der Polizei«

führt sie fort als wir am Ufer des Jenissei auf einer Parkbank mit unserer grauen Plastiktüte, Cola und Cognac sitzen. In Russland ist das Trinken in der Öffentlichkeit verboten und nur in Bars oder Restaurants oder eben zu Hause erlaubt. Außerdem wird ab 23 Uhr in Supermärkten und Kiosken kein Alkohol mehr verkauft. Mittlerweile zieht Nebel über dem Jenissei auf, was echt spektakulär in der Nacht und der Beleuchtung der Brücken aussieht.




Aufgrund der Restriktionen bleibt der Cognac in der Plastiktüte. Vera nimmt die zwei Colaflaschen, schüttet etwa ein Viertel jeweils hinter die Parkbank und füllt den freigewordenen Platz vorsichtig IN DER PLASTIKTÜTE mit dem mitgebrachten Hochprozentigen auf. Das hat Stil.



Nach der Umfüllaktion laufen wir ein wenig weiter durch die Stadt und die meisten Passanten fragen sich sicherlich, wie wir denn mit soviel Cola intus noch schlafen wollen .....oder sie fragen es sich nicht ...weil sie selber mit Cola und Fanta entgegenkommen...und mir das erst jetzt auffällt.



Während wir durch die Stadt laufen, zeigt Vera immer wieder auf Gebäude die von Ihr designt sind und dann noch noch das Maskottchen der Universade....eine internationale Olympiade, die im März in Krasnojarsk stattfand.....auch das ist von ihr.


»So your famous?!!«

frage ich. Sie winkt ab, obwohl gefühlt jedes dritte Haus von Ihr designt ist. Und sogar die Tankstelle.....dann überlegt sie kurz.... »I`m famous« schreit sie heraus. Hey ...auch noch ne Berühmtheit in Krasnojarsk kennengelernt. Das ist doch mal was. Vielleicht nicht ganz so berühmt, wie wir im Rausch der Nacht gerade denken, weil kaum jemand weiß, dass das alles von Ihr ist......Aber ich weiß es. Bemerkenswert und........ dann auch noch Bescheiden.


Generell habe ich viele Russinnen bescheiden erlebt. Obwohl viele die ich kennenlernen durfte, studiert und viel erreicht haben und teilweise mehrere Sprachen sprechen.


Am Ende des Abends gibt es auch noch etwas Selbstgebranntes..... Samagon. Es schmeckt eher wie Medizin...aber wieder habe ich etwas probieren dürfen, was ich ohne meine Russische Hilfe wohl nicht erleben hätte können ....mit einer kleinen Berühmtheit. Vielen Dank für den wunderschönen Abend mit dir, Vera!


P.S. Da ich ein paar mal gefragt wurde.... Falls sich jemand fragt, ob die Leute über die ich schreibe darüber Bescheid wissen, dass ich über Sie schreibe und ich auch die Bilder verwende. Ja das tun Sie. Vera hat ihr Bild zum Beispiel selbst ausgesucht.



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