• Sascha @ YOLO andersWO

Konfuzius sagt, du sollst Autogramme schreiben - Peking, China

Am Abend komme ich nach anderthalb Tagen Zugfahrt aus Ulan Bator in Peking an. Es ist Nachmittag. Und als ich aus dem Bahnhofsgebäude trete trifft mich direkt die Hitze. 30 Grad. Und dazu eine Masse an Menschen, die von links nach rechts von hinten und vorne, kreuz und quer über den Bahnhofsvorplatz strömen….nein drücken.


Erstmal inne halten. Was als erstes tun? Wo lang? Die klassischen Backpackerfragen im neuen Land.


Ich habe ein Hostel gebucht. Und wie finde ich das? Internet? Ich habe noch keine Simkarte. Das öffentliche Netz geht nur mit chinesischer Telefonnummer. Mmmmh…..Erstmal Geld finden. Geld regiert die Welt....tut es nicht wirklich. "Und es ist sicher nicht das wichtigste.... Aber es macht die Dinge meist etwas einfacher" wie meine Eltern gern zu sagen pflegen.Das gestaltet sich aber ebenfalls gar nicht so einfach in China. Der erste Automat am Bahnhof, liegt schon mal ziemlich versteckt in einem Kiosk außerhalb des Bahnhofs. Bank of Beijing klingt vielversprechend. Ääähhhh…..nein. ….kein Geld. Die Karte wird nicht akzeptiert. Das ist mir tatsächlich noch nie passiert. Mit meiner VISA konnte ich bisher immer abheben. Die is ja extra für das um die Welt reisen gedacht. Auch die anderen Karten funktionieren nicht.

Ich schaue mich um und folge ein paar anderen westlichen Backpackern zum nächsten Automaten. Ihnen geht es wie mir. Reihenweise wird verzweifelt am Bankautomaten aufgegeben. Ohne Bargeld. Also schließen wir uns…mehr oder weniger lose zusammen und grübeln über Lösungsmöglichkeiten, um uns dann am nächsten Automaten alle wiederzutreffen und erfolglos wieder abzuziehen.


Selbst Bargeld tauschen ist nicht möglich. Nur Dollar. Hab ich zwar. Aber die will ich jetzt nicht opfern. Die sind Gold wert, wenn man mal wirklich in Notsituation ist und die werden so gut wie überall akzeptiert. Ich bin ja erst am Anfang meiner Reise. Also weitergesucht. Muss ja irgendwo gehen. Ich schließe mich mit Teresa und Arthur, zwei Backpackern aus Ulm zusammen, um gemeinsam nach einem Automaten zu suchen.

Wir finden die Touristinfo, die sich (zur Info) gegenüber dem Bahnhofsplatz über die Straße auf der rechten Seite etwa 100 m befindet. Dort gibt es endlich freies Internet….aber nur mit VPN Tunnel. Sonst geht in China mit Google, Facebook, whatsapp und co. mal gar nix. Die sind hier nämlich verboten und man hat eigene adäquate (fast baugleiche Apps) in China.


Die VPN Apps muss man auch vorher runterladen. Runterladen des VPN wenn In China ist?….keine Chance. Es empfiehlt sich auch mehrere VPN Apps runterzuladen….bei einigen Travellern, die ich später treffe, funktionieren die bereits in Deutschland runtergeladenen VPN Apps nicht. «Aus politischen Gründen funktionieren unsere Dienste nicht in China« ….Aber GENAU DAFÜR BRAUCH ICH DIE DOCH!!!! Naja. (Zur Info: SurfEasy und ExpressVPN funktionieren ganz gut.)


Zurück zum Bahnhof….Der Angestellte in der Touristinfo spricht Englisch….der Erste in China. Er zeigt uns den Weg zu einem Automaten. Den wir natürlich erstmal nicht finden. Als wir ihn finden, funktionieren auch hier unserer Karten nicht.

Eine freundliche Bankangestellte, die ich frage, zeigt mit aber den Weg zu einer anderen Bank. Und siehe da….es funktioniert.Mir fällt ein Stein vom Herzen vor Erleichterung. Nach gut 1,5 Stunden herumirren endlich KOHLE. Mit Kohle geht schon mal echt viel. Unterkunft, Essen, TRINKEN…es sind ja immernoch 30 Grad und ich in voller Gepäckmontur. Zur Info: In China hat bei mir die Construction Bank of China, Bank of China und HSBC funktioniert.


Es ist echt wichtig immer Bargeld dabei zu haben, da auch die Unterkünfte meist bar bezahlt werden müssen, auch wenn das in Booking und co oft anders angegeben wird….internationale Hotels mal ausgenommen. Auch funktionieren hier oft die Karten nicht bzw. wird generell Bargeldzahlung oder ALIPAY verlangt.


Alipay?!? Ja…. Alipay. Das ist keine App für Erdogans Parteikonto sondern DIE chinesische Bezahlapp. Alipay ist in China im Grunde Hauptzahlungsmittel, die für alles verwendet wird. Man scannt einen QR CODE mit dem Handy und schon ist alles bezahlt. Sogar die Bettler haben im Spendenkörbchen einen Zettel mit QR Code für Alipay, die man dann per App bezahlt. Ernsthaft.


Dann braucht man doch gar kein Bargeld?!?! Leider ist es etwas komplizierter…..Problem dabei ist, dass man für Alipay ein chinesisches Bankkonto benötigt. Für mich also eher schwierig, obwohl ich mir sagen lassen habe, dass es wohl auch für Westler möglich ist, das einzurichten, sofern man chinesisch Kenntnisse oder entsprechend vertrauenswürdige Freunde mit solchen hat.


Nachdem das mit dem Geld geklärt ist, mache ich mich auf die Suche nach einer Simkarte. China Unicom soll gut sein, hatte ich vor der Abfahrt in Ulan Bator im Netz gelesen. Der Touristinfo-Mann beschreibt mir den Weg auf einen kleinen Zettel.


Gerade aus. Über zwei Straßen und dann auf der rechten Seite. Sieht gar nich mal so weit aus. Nach gut einer halben Stunde werden mir mit Backpack auf dem Rücken, Gitarre in der Hand und dreißig Grad im Nacken die Ausmaße dieser Multimillionen Weltstadt bewusst. Das, was nach um die Ecke aussieht, ist einfach mal eine halbe Weltreise entfernt. Die Dimensionen dieser Stadt sind einfach anders. Hätte ich mir auch denken können, in der Hauptstadt eines Volkes von 1,4 Milliarden Menschen.





Nach gut einer Stunde und ein paar Irrungen finde ich aber den gewünschten Laden und die Simkarte, habe ich auch. (zur Info 150 RMB (19 Euro) für 20 GB und 30 Tage – Unicom ist tatsächlich der beste Anbieter. Mobilcom und China Telecom bieten Tarife zu deutlich höheren Preisen an, wie ich in den nächsten Tagen herausfinde. Mobicom 300 RMB für 5 GB, China Telecom 7GB für 110 RMB)


Ab in die Metro zum Hostel, dass sich in der Altstadt befindet….. In den Hutongs, wie die kleinen alten Viertel in China heißen. Am Metroautomat, den man Gottseidank auch auf Englisch einstellen kann, kann man nur mit 5 bzw. 10 RMB Scheinen bezahlen. Mein frischgedrucktes Bankautomatengeld umfasst aber lediglich Hunderter Scheine. Der herbeieilende Metromitarbeiter, der meine Misere bemerkt hat, will die Sache ganz entspannt klären und schaltet die Bezahlmethode am Automaten auf Alipay um und will freudestrahlend schon wieder gehen als ich ihm zu verstehen gebe, dass ich kein stolzer Benutzer von Alipay bin.



Er schaut mich total entgeistert an. So als hätte ich behauptet, die Chinesen hätten nur einen riesigen Männlichkeitskomplex und haben deshalb die längste Mauer bauen müssen.


Er ruft seine anderen Kollegen zur Hilfe. Einer spricht ein wenig englisch …nimmt meinen Hunderter und sagt nur ….wie im Film mit leicht erhöhter Stimme und ohne R. «No Ploblem.« (Nur zu Klarstellung, das mit dem L war nur hier der Fall, alle anderen ..jungen…Chinesen, sprechen ausgezeichnetes Englisch) und er verschwindet.


Der Chef - ja man merkt irgendwie immer wer der Chef is - kommt mit leicht heraushängendem Hemd (ja man merkt immer wer der Chef ist) aus dem Bürozimmer und brüllt die 4 anderen Metromitarbeiter an. Nimmt den hunderter und verschwindet im Büro. ……und wechselt. Der junge Angestellte sprintet zu mir zurück…..«No Ploblem« und gibt mir ein paar kleinere Scheine in die Hand. Jetz geht’s. Danke! Und die Metromitarbeiter grinsen über beide Ohren.


Es dämmert schon als ich in der Altstadt ankomme und mich durch ein Meer von chinesischen Touristen durch eine kleine Gasse zu meinem Hostel durchschlage. Es ist so wie ich es mir vorgestellt habe. Schummriges Licht und Ich genieße die schwüle Wärme und den leichten Dunst in der Luft. Der Geruch von scharfem Essen zieht mir in die Nase. Lampiongs leuchten in Rot an den Dächern. Überall wuseln Chinesen um mich. Hupen, Fahrradklingeln und Kochgeräusche. Richtig Asien….wieder….und jetzt grinse ich.





Die Mitarbeiterin des Hostels begrüßt mich super freundlich in exzellentem Englisch. Wie toll!!!! Nich so toll is dagegen der Inhalt….«You dont have a reservation today, sir. It is for two nights starting …..TOMORROW.« Waaaatttt?!?!?!! Morgen?!?!?! Ich schaue aufs Buchungsdatum und auf das heutige Datum. SHiiiiiii…….Die blöde 1,5 Tage Zugfahrt hat mich voll aus m Konzept gebracht. Einen Tag übersprungen und für den nächsten Tag gebucht. (Flache-Hand-Gegen-den -Kopf-Hau-Smiley….as usual)


«Is denn noch was frei heute?« frage ich, mit bestmöglichem Lächeln. «We are full, sorry«. Nochmal Shiiiii…… Aber ich bekomme sichtlich erschöpft einen Ingwertee und kann im Aufenthaltsraum nach ner neuen Unterkunft für heute suchen, die ich dann auch finde.


Also wieder alles aufgeschnallt die ganze Backpackergarnitur und losgewatschelt. Metro. Anderer Stadtteil. Suchen wo es is. Verlaufen. Rumfragen. Falsche Antworten kriegen. Eingang finden. Freuen über den richtigen Eingang. Enttäuscht sein über die Toilettenverhältnisse., aber erfreut über die nette Atmosphäre und das weiche Bett. ………Backpacken halt.


Am nächsten Tag checke ich im richtigen Hostel ein und erkunde die Stadt auf eigene Faust. Dank der vielen Tipps der Pekingkenner , die hier gerne beruflich sind, kann ich hier aus dem Vollen schöpfen. Ganz lieben Dank an Andre und Sven an der Stelle. Ihr habt mir wirklich aus der Ferne sehr geholfen. Toll, dass der Blog das verbindet, obwohl wir uns so lange nicht gesehen haben. Viele Grüße!


So schaue ich mir, den Tipps folgend den Lama Tempel, Verbotene Stadt, Kohleberg und Tempel of heaven an. Wobei in China alles seine Tücken hat. Die verbotene Stadt kann man nicht einfach besuchen. Is ja auch verboten.….Ja, der war flach. Weiß ich, sofern jemand die Kommentarzeile benutzen will.



Man kann die Tickets für die verbotene Stadt nur Online buchen. Und das nur …wie üblich…..mit Alipay oder chinesischem Bankkonto. Super für Ausländer. Aber die Chinesen sind Hilfsbereit und die Hostelmitarbeiter helfen gern. Und buchen ein Ticket für mich. Beachten sollte man auch, dass die Tickets meist drei bis vier Tage im vorraus vergriffen sind, da die Besucherzahl begrenzt ist. Viele meiner Mitreisenden hatten Pech und konnten kein Ticket für Ihren begrenzten Aufenthalt in Peking ergattern. Also vorher drum kümmern.













Ich habe ja zum Glück Zeit und lasse mich einige Tage später mit 80000 anderen Chinesen durch die nich ganz so beeindruckenden Tempelanlagen der verbotenen Stadt schieben. Einzig beeindruckend ist neben den Massen, das riesige Mao Gemälde am Eingang der verboteneren Stadt , was auch fleißig ge-selfied (Gibt es das Wort?...jetz stehts da) wird.






Viel entspannter und besinnlicher finde ich dagegen den Norden der Innenstadt. Rund um den Konfuzius- und Lamatempel. Gesäumt von wunderschönen ruhigen Hutongs, wenig Touristen und hier und da ist entspanntes Vogelgezwitscher zwischen den grünen Nadelbäumen zu hören.





Das is doch pure spirituelle Energie. Im Konfuziustempel, dem Platz an dem der große Meister seine Werke verfasste, halte ich inne. Dem Geplätscher der Springbrunnen und des Wassergrabens lauschend, der den Tempel umgibt, lese ich mir einige Zitate des großen Philosophen durch….



«Ein Wahrhaft großer Mensch verliert nie die Einfachheit des Kindes«. Mach ich nich….
«Die Lebensspanne ist die selbe, ob man sie lachen oder weinend verbringt«….da hat er mal VERDAMMT recht.
«Das Rechte erkennen und nichts tun ist Mangel an Mut«….eigentlich weiß man doch immer was zu tun is.

Hat schon recht der Jung. Gar nich mal so übel. Hat sich jetz in den 1500 Jahren seit Konfuzius gar nich so viel geändert.



Ich beschließe mich - ganz spiritualisiert - auf den Weg weiterer Erleuchtung zu machen und gehe zum Lama Tempel. Dort begrüßen mich, neben der klassisch buddhistisch chinesischen Architektur, riesige Rauchschwaden, aus den brennenden Kesseln der buddhistischen Räucherstäbchen. Nach ein wenig Beobachtung beschließe auch ich, dass es Zeit wird, nach den Erlebnissen der letzten Wochen mal ein wenig Reinigung an den Tag zu legen und mich mit rauchenden Stäbchen von den Sünden der letzten Wochen und Vergangenem zu befreien.


Also hole ich mir ein paar kostenlose Räucherstäbchen, zünde sie im Kessel an und stelle mich vor den Tempel und warte…..und warte….und warte. Ja das mit den Sünden DAUERT. Rauchende Zeit ist proportional zur Sünde, denke ich zumindest und stehe tatsächlich eine Weile, um einfach mal kurz anzuhalten. Nicht nur getrieben durch Tempel und Sehenswürdigkeiten …..sondern eben einfach mal anhalten und nur da sein. Nur hier. Gar nicht mal schlecht. Mal kurz die Nadel vom Plattenspieler nehmen. Mal stoppen. Und dann denke ich wieder an Konfuzius…der sagt…..«Wohin du auch gehst. Geh mit deinem ganzen Herzen.« Und das tue ich jetz auch.







Auch der Temple of heaven ist einfach mal groß. Ich bin beeindruckt von den Bauten. Viel mehr beeindruckt scheinen aber die Schulklassen hier von mir zu sein. Tatsächlich trifft man gar nicht so viele westliche Gesichter in Peking. Ab und zu mal. Sonst ist man unter Chinesen oder zumindest denen, die so aussehen.


Ich bin ein wenig verwirrt als mich direkt nach betreten der Pagode am Tempel of heaven eine Schulklasse auf mich zustürmt und mich umringt. Okay….ich hab da wohl jetzt keine Chance mehr abzuhauen. Hinter der ersten Verteidigungslinie aus Kindern bauen sich die Lehrer der Klasse mit Ihren Handys und Kameras auf, um alles festzuhalten.

Eingekesselt von Kindern und Kameras aus Kina….also im Grunde KKK (Kina…..wie die Bayern sagen würden…sonst funktioniert der Witz nich)


Und jetz? Alle grinsen mich gespannt an. Ich zurück. «Hi«, sage ich. Schweigen. Endlich traut sich ein Junge aus der Klasse mit breitem Grinsen und verschämt die Hände hinter dem Rücken zusammengeknotet. «Welcome to China! Do you speak chinese? And where are your from?« «Äähhh…..no chinese and from Germany«. Die Kinder schauen sich begeistert an. Und die Lehrer scheinen zufrieden. «Oh from Germany!«. «Can you tell us some german words and we teach you chinese?« Äh, klar. «Guten Tag und Grützwurst.« are some famous german words. «Zum Glück konnten die zweiteres eh nich aussprechen und haben es hoffentlich schnell wieder vergessen. …


Genauso wie ich die anschließende Chinesischlehrstunde in «Willkommen in Beijing in unserem schönen China« wieder vergessen habe. Ich habe gefühlt 10 Minuten dafür gebraucht …Be be beijing yuan ni nan und so weiter oder so……und der anschließende Applaus der Klasse war aus meiner Sicht doch etwas aufgesetzt. Insbesondere merke ich das daran, da einer der Kinder – der der die ganze Zeit eh am ernstesten schaute – die ganze Zeit mit dem Kopf schüttelte und das Klatschen verweigerte. Richtig so Kleiner! Scheiß auf Mitleidsapplaus! Bleib dir treu! Wenn du es Scheiße findest, dann sag es auch! (Gedanklicher Szenenapplaus für den Kleinen).





Das tut dem ganzen aber keinen Abbruch als die Zweite Schulklasse, die auf mich zustürmt, ein ähnliche Spiel abzieht dann aber lieber Autogramme von mir haben will. Ich soll etwas in jedes Schulheft schreiben. Natürlich wieder mit Kameras und Lehrern im Hintergrund. Ob man sich so als Star so fühlt? Auch mit Mitleidsapplaus? Komisches Gefühl. Aber es macht trotzdem ne Menge Laune. Und als Sie weg sind, spüre ich diese Leere……ich brauche meine Fans! WO SIND MEINE FANS?!?!





Es ist Abend und ich habe Hunger. Nächste Lektion in Sachen China also beim Essen. Im Gedränge der vielen Restaurants mit Lampions und tausenden Tischen, mal klein, mal riesig, mal versteckt suche ich mir ein kleines Lokal am Abend aus. Die Kellnerin bringt mir die Karte und versteht nur Bahnhof. Wie auch ich. Zum Glück sind viele Speiskarten in China bebildert. Nach ein wenig Gesuche, zeige ich auf ein Gericht was nach Hühnchen mit Chili aussieht. Und Tee …….einen Jasmintee hätte ich gern. Den liebe ich ja. «Tea…Jasmine... Cha?«, frage ich. Sie schaut mich verdutzt an. Cha?! Und ich sage «Jasmine.« Wieder verdutzter Blick. Sie fragt «Beer?« Und ich …«Ach hat doch eh kein Sinn«…..«.Yes. Beer.«


In China bestellt man gerne etwas mehr. Also Reis, ein Fleischgericht und dann gerne noch etwas Gemüse dazu. Oft reicht das auch für mehr als eine Person aber man lässt gern etwas übrig, obwohl das eher ein Mythos als Tatsache ist. Mittlerweile hat die chinesische Regierung zur Sparsamkeit aufgerufen und Aufessen ist durchaus gängig. Sowieso genießen Westler einen anderen Status in China und werden gern von den Chinesen - über die Sitten belustigt - aber immer wohlwollend gern beäugt.


Ich bekomme mein Hähnchen……. Also Hähnchenbeine. …….Also mit den Beinen noch drin, die so zerkocht sind, dass man sie eben mitisst. Wobei so viel Hähnchen ist da gar nich drin. Es ist eher etwas Hähnchen an Chili, sodass Ich fast heule als ich versuche meinen Hunger mit Chili zu stillen. Das Problem dabei ist……. eine Sache ist tatsächlich verpönt in China. Nämlich sich im Restaurant am Tisch, die Nase zu schnäuzen.

SUUUUUPPPPPERRRRR…..WENN einem die Schweißperlen von der Stirn rollen und die Nase unaufhörlich vor Schärfe läuft.





Alles Geräuschvoll hochziehen und auf den Boden spucken hingegen ist durchaus okay in China und gerade bei älteren Männern das am Meisten wahrgenommene Geräusch in China. Auch und gerade beim Essen. Übrigens wird von Selbigen Männern auch die Flatulenz gern öffentlich und lautstark absolviert.


Trotzdem ist die chinesische Küche eine Wucht und aus meiner Sicht in China nicht mal ansatzweise mit den chinesischen Restaurants zu Hause vergleichbar. Das ist wirklich wie Tag und Nacht. Sind die Thais in Deutschland etwas weniger scharf und der Koriander nicht ganz so gehaltvoll, so sind die Chinesen in Deutschland wohl einfach total angepasst. Zumindest die, die ich bisher am Gaumen habe spüren können. Wer kann, sollte zum Beispiel saure Fischsuppe probieren. Ein Gedicht. Hört sich nicht so an. Aber ich hätte die Schüssel gern ausgeleckt.





Im Hostel lerne ich Jess und Leon kennen und wir beschließen was trinken zu gehen.

In einem kleinen Restaurant angekommen bestellt Leon erstmal 8 Bier…..ja das Zählen mit den Fingern in China läuft anders! Das uns bekannte Zeichen für «zwei« mit Daumen und Zeigefinger gezeigt bedeutet in China acht…Zum Glück können wir das noch retten. Wäre aber jetz auch nich sooooooo schlimm gewesen mit den 8 Bier, da wir da eh noch hinkommen werden an dem Abend. Wir setzen uns auf den Bürgersteig vor dem Restaurant und beobachten das Treiben.





Die Beiden sind cool drauf. Leon ist noch echt jung mit seinen 21 aber echt mutig. Er ist von Deutschland mit dem Zug über die Ukraine, Russland und Mongolei nach China in 4 Wochen gereist. Allein. Respekt! Das hätte ich mit einundzwanzig nich hinbekommen. Er schon. Obwohl wir uns schon fragen, wie er die Reise eigentlich bis hier überlebt hat, da er seine Visa Karte bereits im Zug verloren hat und nun schlecht an Bargeld kommt. Im selben Moment, als er uns diese Geschichte erzählt, fällt ihm der Reisepass aus der offenen Hosentasche. «How did you survive?!?!?!« sagen wir scherzhaft. Zum Glück gibt es Paypal und ich hebe ihm etwas Geld ab. Und er schickt mir es per PayPal zurück.


Jess ist …keine Ahnung wie alt….geschätzt…. Anfang vierzig und viel gereist. Er hat lange in Südamerika und in Nepal gelebt. «Nepal?!?! Ja. Da will ich noch hin!« Und Jess gib mir eine Fülle von Tipps und Kontakten für meine Reise in das Bergland. Was für ein toller Zufall. Die Beiden sind ein Glücktreffer auch wenn es Jess am nächsten Tag von den Socken haut und er von den Klimaanlagen im Zug geplagt, erkältet im Bett bleiben muss. Vielleicht war es aber auch ein bisschen der Reiswein, den wir am Vorabend noch überschwänglich und jungfräulich in Erfahrung mit diesem Getränk auf dem Bürgersteig brüderlich geteilt hatten. Reiswein ist nun mal kein Wein, sondern DER Schnaps in China mit gut 50% Alkohol. Schmeckt dafür aber wie ein milder Vodka. Gar nich mal übel. Macht aber schön warm in die Birne.





Natürlich müssen wir all das Getrunkene dann auch mal wegbringen. Ich verkneife mir das Lachen, da ich ja schon ein paar Tage in Peking bin.


Denn ich weiß was jetzt kommt…… Die öffentlichen Toiletten…..Diese haben in China den Begriff öffentlich meist tatsächlich verdient. Die Hocktoiletten haben oft weder Türen und manchmal nicht mal Wände. Das stellt auch Jess etwas überrascht fest, als er beim betreten der Toilette den hockenden Chinesen mit Handy in der Hand begutachtet und beim hinausgehen erstmal ein aus dem Handgelenk gedrehtes Handyvideo von Selbigen machen muss. Wie in der Mogelei…..wer seinem Voyeurismus freien Lauf lassen will, is hier richtig. Anna (Polen), die ich in der Mongolei kennengelernt hatte, hatte mich bereits vorgewarnt. Sie hat in China studiert und ich hatte sie gefragt, was das erstaunlichste in China für Sie war. Sie antwortete, dass die Toiletten einfach echt offen sind. In den Schulen hockt einfach jeder nebeneinander. Keine Geheimnisse eben. Damit hat Dr. Sommer mit “Sieht das bei den anderen da unten anders aus als wie bei mir?« in China keine Chance.


Willkommen in China, dem Land des Spuckens, Lächelns, Freizügigen Toiletten, der Spiritualität und des besten Essens, dass es wohl gibt.




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