• Sascha @ YOLO andersWO

Mauernacht und Bananen - Gubeikou, China

Aktualisiert: Mai 14

Was wäre China eigentlich ohne die Mauer? ....fragt sich der Ossi, der gerade im Internet recherchiert, wie er selbige denn besuchen soll. Mit tausend Menschen auf die nahegelegendsten und restaurierten Abschnitte der Great Wall?! Will ich das?


Nein....das is mir zu schwach für meine Weltreise. Ich will da nicht hin, um dann vor lauter Leuten die Mauer selbst nicht zu sehen. Das Geschiebe und Gedränge in der verbotenen Stadt mit Abertausenden chinesischen Touris, die nun mal nicht so ganz rücksichtsvoll bei der Wahl ihres Weges sind, hat mir gereicht. Ich will die Mauer sehen und diesen Geschichtsträchtigen und magischen Ort auch fühlen können.


Ich komme über einen YouTube Kanal (Für Interessierte: Weltbeats) auf die Idee nicht nur auf einen ruhigeren Abschnitt der Mauer zu fahren, sondern dort drauf zu schlafen. Wie geil wär das denn?!?!? Auf DER MAUER schlafen und den Sonnenaufgang sehen! Das is es! Aber wie?


Normalerweise ist das campen auf der Mauer illegal ...es gibt aber zwei Anbieter im Internet in Peking, die die illegale Situation so gesehen mit ein wenig Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld für die Parkranger etwas durchlässiger machen. So schreibt mir zumindest einer der Anbieter auf meine Anfrage zurück. Die Anbieter sind übrigens Greatwalladventures und Beijing Hikers. Aktuell bietet aber nur Greatwalladventures eine Tour an.


Gleichzeitig schreibt mir die Agentur, dass die Tour die nächsten Tage nicht möglich ist. Also Frage ich nach Alternativen....die Mitarbeiterin scheint hilfsbereit. Also schreibe ich ihr ein paar Eckdaten....in der Mongolei wurde ich ja bereits daran erinnert, dass man mit den Touranbietern in Asien immer reden muss....dann findet sich flexibel meistens eine Lösung, die den Wünschen und Budget entspricht. Meine Eckdaten also....ich würde gern auf der Mauer schlafen und dann natürlich ein wenig darauf wandern und bitte wenn möglich auf der wilden Mauer, dort wo keine Touristen sind.


Wilde Mauer?!?! Naja….Die chinesische Mauer ist nur an bestimmten Stellen restauriert. Vielerorts ist sie sehr brüchig und auch gefährlich. Ein Abenteuer eben. Genau das was ich suche.


Die Antwort....ich könne auf eine tägliche Tour zur Mauer nach Jingshilang mitfahren, dort die Wanderung mitmachen, da wäre auch wenig los und dann würde ich Abends auf der Mauer schlafen. Bei Gubeikou. Kostet aber....200€.....


Mmmh....das reißt ein Loch ins Budget...bei rund 40€ Tagesbudget für alles…..

Scheiß drauf...YOLO......Gut, dass ich den Namen für den Blog so gewählt habe, der mich doch immer wieder daran erinnert, was ich eigentlich hier wollte. Was erleben. Es ist schon 11 Uhr Abends und die Tour geht morgen früh um 6:00 los. Treffpunkt ist eine Ubahn Station ca. 40min von meinem Hostel. ....der Frühe hat nen Vogel.....nee das ging anders. Passt aber hier. Also los. 

Am Nächsten morgen wird das Gepäck geschultert...UBahn zum Treffpunkt….Guide gefunden und Gepäck in den Laderaum des Reisebusses geladen ....als Einziger. Okay....ich dachte da kommt noch jemand mit, um auf der Mauer zu schlafen? Na, mal schauen.


Als ich den Bus besteige, sehe ich nur europäische Touristen mit Badeschlappen und Designer Handtaschen....ich hingegen im Hikingoutfit mit Wanderschuhen, langer Hikinghose, Mütze, Marschrucksack. «Ähhh....hab ich da was falsch verstanden? Wir wollen doch richtig Wandern gehen und zwar durchaus anspruchsvoll...so zumindest hatte ich die Agenturmitarbeiterin doch gestern verstanden«, denke ich. Ich komme mir etwas overdressed vor. Oder is das dann underdressed in dem Fall?! Auf jeden Fall komme ich mir wrongdressed vor.

Mal sehen was passiert…..Nach 3 Stunden Fahrt kommen wir am Füße der Mauer an, am prunkvollen Touristenzentrum. Der Guide fragt in die rund 15 Mann starke Runde wer denn per Seilbahn hochfahren will. Und die Damen in Flipflops sind schnell begeistert.


Ich….eher ......nich so.


«Hab ich jetz hier doch voll die Touritour bestellt?«, frage ich mich. «Und dafür 200 Euronen hingeblättert? Die normalen Touren sind für gut 30€ in Peking zu haben!«, denke ich. SHIT. Wat soll's. Hey, ich bin an der chinesischen Mauer....das is doch schon was. Lass dir nich den Spass verderben! Hab ich früher immer oft genug gemacht bei sowas....jetz nich mehr. Denke daran, was du von Konfuzius gelernt hast: «Die Lebensspanne ist die Gleiche, ob du lächelnd oder weinend durchs Leben gehst.«

Nach gut einer Stunde schön asphaltierten Fußwegs als Zubringer geht es die Treppen hinauf zur Mauer.


JETZ bist du drauf! Von St. Petersburg zur chinesischen Mauer! «Nich schlecht, mein Lieber!«, sage ich ein wenig mir selbst die Schulter klopfend zu mir.

Und die Mauer? Kaum jemand hier. Nur noch eine andere Gruppe. «Sehr schön!«, denke ich.






Majestätisch schlängelt sich das Weltwunder über die Bergkämme. Immer ganz oben auf den äußersten Spitzen entlang. Hätte das nich auf den kleinen Bergen auch gereicht? Ne Mauer unten im Tal hätte doch auch was gegen die Mongolen gebracht, oder? Naja, die haben sicher wohl genauso wie ich gedacht...«wenn schon, denn schon!«


Die Wanderung ist gar nicht so ohne. Knapp 4 Stunden wandern wir die Mauer entlang jeder wie er möchte, sodass sich die Gruppe auch bald weit verteilt. Es geht steil bergauf über zerstörte Teile, auf breiten Pfaden und schmalen Treppen. Durch die Wachtürme in denen man doch immer wieder von Souvenierverkäuferinnen kurz belagert wird. Sie ist trotzdem schön die Mauer und plötzlich merke ich doch, als ich die ein oder andere Dame die steilen Bergkämme hinaufprusten sehe – Die Handtasche längst an den Freund übergeben und die Flipflops in der Hand – dass ich gar nich mal so wrongdressed bin.


Ich bin aber durchaus auch gefordert nach der Wanderung. Die ganze Mauer ist das größte Bauwerk der Menschheit. Sie misst über 21000Km Länge! Und nur rund ein Dutzend mutige Wanderer haben es bisher gewagt, die ganze Mauer zu durchwandern. Im Schnitt haben Sie dafür 2 Jahre gebraucht. Kann jetz jeder selbst ausrechnen, was das am Tag heißt.


Als kleine Auflockerungsaufgabe.


Das Ergebnis klingt gar nich so viel. Wenn man aber mal die Abschnitte auf den Kämmen gewandert ist. Und das nur einen Tag, dann weißt du….das ist viel. Zum Vergleich. Wir haben in den 4 Stunden Wanderung auf der Mauer nur etwa 6 Kilometer zurückgelegt. ...natürlich nur für die, die gerechnet haben. Für die anderen....echt jetzt?!? Sogar euer Handy, dass maximal 1m entfernt ist, hat nen Taschenrechner.


Zurück von der Mauer und erschöpft von der Wanderung gibt es ein Mittagessen am runden Tisch mit der Gruppe. Recht ruppig werden wir von der Bedienung am Ende des Essens gebeten unsere Getränke doch bitte SOFORT zu bezahlen. Der Ton ist laut, fordernd und unfreundlich. Das hatte ich bis jetz so noch nich erlebt in China. Unfreundlich? Ruppig? Das passt nicht. Sind die Chinesen doch bislang immer sehr zuvorkommend und freundlich zu mir gewesen.


Irgendwie wird das aber immer so, wenn irgendwo ein vermehrter Tourismus Einzug hält. Man wird eine Nummer und vor der Nummer stehen eben Dollarzeichen. Naja.

Wir zahlen. Beim Verlassen des (Sarkastischer Unterton beginnend) „typisch chinesischen Einheimischenrestaurant“ (Sarkastischer Unterton Endend) fängt der Tourguide mich ab und zeigt auf einen gut 70 Jahre Alten tiefbraungebrannten Chinesen, der mich freundlich anlächelt. Er spricht kein English. Also gibt mir der Tourguide zu verstehen, dass ich jetzt meine Sachen holen soll und mich der nette Chinese jetz mitnimmt zu meinem kleinen Abenteuer….meinem Schlafplatz.


Mein Backpack und die Gitarre passen gerade so in den kleinen chinesischen Wagen von Wulan – so habe ich den Namen meines neuen Begleiters zumindest verstanden. Ich hoffe er hieß auch wirklich so….ich habe ihn jedenfalls immer so angesprochen und er hat sich zumindest auch immer angesprochen gefühlt.


Schweigend fahren wir los und wir lächeln uns beide wohlwollend an, während Wulan versucht ein wenig Kühle für mich ins Auto zu bringen, und an der Klimaanlage rumfummelt, um mir die Fahrt angenehm zu machen, wie er mir wieder mit einem wohlwollenden Kopfnicken zu verstehen gibt, als die Klimaanlage läuft.


(Kommentar am Rande…..Was n Satz!….für Umformulierungsvorschläge -ohne so viele Kommas- bin ich immer offen….diese werden von meinen chinesischen Kinderschreibern geprüft, für nutzlos befunden und umgehend vernichtet…natürlich unter Beachtung der DSGVO – Kommentar zum Kommentar…..jetz muss ich selber lachen, weil ich echt die DSGVO in meinen Blog eingebunden habe. Kommentar zur DSGVO….Was n Schrott……Disclaimer: Dies ist nur eine persönliche Meinung….meine professionelle Meinung als ehemaliger Berater kann hiervon abweichen.)


Weiter im Text….

Wir fahren gut eine Stunde. Lächelnd. Zwischendrin versucht er mir hier und da etwas auf chinesisch zu sagen, was ich leider nur mit weiterem lächeln und dem internationalen Zeichen für “Nix verstehen“ quittieren kann….die eine Hand zeigt aufs Ohr, gepaart mit Kopfschütteln, Schulterzucken und einem wehmütigen Gesichtsausdruck, der «Es tut mir echt leid, das ich dich nich verstehe« suggerieren soll. Dann eben nur lächeln.

Wir fahren durch kleine Gassen und Nebenstraßen. Keine Touris weit und breit. Nich mal viele Häuser. Zack. Da bin ich wieder im Abenteuer denke ich. Raus aus der Touritour. So schnell kanns gehen. Und mir wird wieder bewusst in welcher Blase man sich in den Touri Bussen doch befindet.


Wir kommen an einem kleinen Haus an. Ein kleiner Garten mit Kürbissen und Gemüse. Ein Zaun drum herum. Eine offene Küche. An das Haus schließt ein kleines Guesthouse mit 3 Zimmern direkt an. Idyllisch. Es ist absolut still. Keine Autos. Keine Souvenierverkäufer. Keine Touristenmassen. Niemand.


Ich….bin der einzige Gast. Uns begrüßt die Frau von Wulan, deren Namen ich leider vergessen habe. Sie zeigen auf das Sofa im Flur und geben mir mit sanften nach unten gerichteten Handbewegungen zu verstehen, dass ich mich doch erstmal ausruhen soll. Ich bekomme einen Tee. Ungefragt. Ich habe Durst. Auf der Touritour gab es kein Wasser. Man sollte es an den überteuerten Ständen für knapp 3 Euro die kleine Flasche kaufen.

Ich frage also nach einem Wasser. Sie schaut in den Kühlschrank und gibt mir die letzte kleine Flasche. Als ich ihr mein Potmonaie zeige, um zu zahlen, winkt Sie ab. «Das ist umsonst.« Wieder so ein Unterschied zum „typisch chinesischem Einheimischenrestaurant“ (Sarkasmus Ende).


Nach etwas Relax Zeit holt Wulan sein Handy und spricht etwas echt langes Chinesisches hinein. Die Augen ganz nah am Bildschirm und das Display mit Adler-Kreis-Technik-Bedienend. Als er fertig ist, zeigt er mir das Display, auf dem mir eine Übersetzerapp in etwas holprigem Englisch zeigt, dass es um 18 Uhr Abendessen gibt und wir dann zur Mauer gehen für den Schlafplatz.


«Läuft«, denke ich und nicke erfreut darüber, dass alles klappt und bin beeindruckt und begeistert, dass wir uns verständigen können.


Ich bekomme ein super leckeres Abendessen. Gemüse, Reis und Hühnchen in Super leckerer Soße. Dazu wäre Wasser nicht schlecht. Das is aber grad aus. Also bekomme ich ein Bier. Ungefragt. Was anderes gibt der Kühlschrank ja auch nich mehr her. Naja. Is ja auch Wasser drin.


Per Übersetzungsapp fragt mich die Dame des Hauses (ja..... sie hat auch eine) mit leicht ängstlicher Mine, ob ich denn mit allem zufrieden bin und sie noch etwas tun könnten. Mit erhobenen Daumen, strahlendem Lächeln zeige ich meine äußerste Zufriedenheit, was ebenfalls auf freundliches und zufriedenes Lächeln auf der Gegenseite stößt. Ein Wasser wär halt nicht schlecht. Eins kann sie dann doch noch auftreiben. Das wird dann wohl mein Nachthupferl.


Es ist bereits 19 Uhr und ich merke, dass es kühl wird. Die sengende Hitze und der Schweiß der Wanderung des Tages weichen einem Frösteln, dass ganz langsam durch die Spalten der dünnen Fenster des Hauses zieht. Da kommt Wulan zu mir. «Es geht los« zeigt er mir, mit einem in tiefe Falten gelegtem Lächeln.


Seine Frau und ich gehen ums Haus in eine kleine Garage. Dort steht ein kleines rotes TukTuk, ein Wurfzelt und ein Schlafsack. Wir packen alles auf die Ladefläche des Tuktuk und mich auch. Auf die kleine Ladefläche.



Das erinnert mich an meine Reisen im Süden Thailands, die ich so gern auf der Ladefläche von Tuktuks erkundet habe. Von Strand zu Strand. Seitdem ist viel passiert. Beziehungen, große Reisen, Karriere. Thailand war meine erste große Reise denke ich ….und so aufregend. Ich erinnere mich, wie ich aufgeregt ein Selfie vom ersten Strand auf der Ladefläche des Tuktuks im Norden Kohphanghans gemacht habe. Und das Abenteuer pur für mich war. Und jetzt sehe ich, dass es nichts davon verloren hat. Es ist zwar nicht mehr neu und das Herz pocht nicht mehr ganz soweit oben, wie damals….. Aber es bleibt dabei. Ich bin gern hier. Auf der Ladefläche. Genieße den Fahrtwind. Hier bin ich Mensch….hier….ihr wisst schon….






Zumindest so lange bis das TukTuk an einer etwas steileren Steigung DEUTLICH langsamer wird. Noch Lache ich zu meiner Fahrerin über die langsame Fahrt, bis sie mir klar zu verstehen gibt, dass ICH jetz laufe und sie weiterfährt. Kein Problem und beherzt steige ich noch lächelnd ab, in der Erwartung, dass meine Begleiterin langsam vor mir herfährt, bis ich wieder behände aufsteigen kann. Entsprechend überrascht bin ich als sie mit (jetzt ganz entspanntem Vollgas – ohne deutschen Fettsack hinten drauf) um die nächste Ecke schießt und ich allein bin im chinesischen Wald bin. Zum Glück gibs nur einen Weg. Dem Folge ich dann wohl.


Nach 20 Minuten empfängt mich die Dame wieder. «Ab hier geht’s zu Fuß«, zeigt sie mir mit den wanderden Fingern auf ihrem Unterarm in laienhafter Gebärdensprache. Zelt, Rucksack und Schlafsack gepackt und in die Hand genommen. Hoch geht’s. Wir laufen durch dichten Walt, gesäumt von Farnen führt ein schmaler Weg nach oben. Auf dem Weg kommen mir zwei westliche Wanderer entgegen, die etwas erschöpft hinabsteigen. Ich grüße freundlich. Sie zurück. «Bin ich also doch nich allein. Gott sei dank. Dann is da wohl doch n kleines Camp da oben und wir können den Abend bei Lagerfeuerromantik auf der Mauer genießen« denke ich.


Ich laufe weiter. Noch kann ich die Mauer nicht sehen. Und dann ganz plötzlich ist sie wieder da. Wilder als in Jingshlang. Eingehüllt in das grün der umgebenden Vegetation. Manchmal gar nicht mehr zu erkennen. Wir steigen auf in einen Wachturm, dessen Silhouette gerade noch so im Schummerlicht der Dämmerung zu erkennen ist. Zerfallen und in alle Richtungen offen.


Wir stoppen. Die alte Dame sucht eine Ecke im Turm auf. Direkt am Abrund des offenen Turms im Dreck schlägt sie das Wurfzelt innerhalb einer Sekunde auf. Und zeigt mir mit der flachen Hand präsentierend, dass das jetz mein Schlafplatz ist. Kein Camp. Keine anderen Leute mit Lagerfeuerromantik. Nur der Turm, die Mauer, das Grün und das laute Gezirpe der Heuschrecken in dem unter mir liegenden feuchtwarmen Wald, dessen Dunst sich schon über die Täler im Sonnenuntergang legt.



Über die Translator App gibt sie mir noch einen gute Nachtgruß der da lautet «Ich hole das Zelt morgen früh um 5 Uhr ab. Dann ist Sonnenaufgang. Gute Nacht«. Und Zack ist sie mit einem süßen «Bye Bye« in Dunst des Waldes verschwunden, als die letzten Sonnenstrahlen in ein wahnsinnigem rot, gelb und orange getaucht über die Bergkämme gleiten.





«Ich bin allein auf der chinesischen Mauer und werde hier drauf pennen?«, sage ich zu mir als mich ein mulmiges Gefühl beschleicht und das Gezirpe der Heuschrecken immer lauter wird. Ich höre meinen Schritte im sandig steinernen Untergrunds meines Schlafplatzes wiederhallen. «Du wirst ALLEIN auf der CHINESISCHEN MAUER pennen!« wiederhole ich zu mir aber diesmal mit einem inneren Hochgefühl, dass seines gleichen in meiner bisherigen Lebensgeschichte sucht. Zumindest an Momenten die nicht was mit Menschen zu tun haben.



Die Mischung aus mulmigen Gefühl über jedes Geräusch hinter mir, vor mir und unter mir im Dunkeln des Waldes, der bevorstehenden Nacht und dem inneren Hochgefühl der absoluten Freude über diesen EINZIGARTIGEN GROßARTIGEN MOMENT der das Serotonin nur so sprühen lässt, bringt mich echt aus der Fassung.


Ich weiß gar nich so richtig, was ich denken soll. Soll ich Lachen oder mir in die Hosen machen. Es fühlt sich nach beidem im Selben Moment an.




Da denke ich zurück an meinen Lieblingsfilm «Hectors Reise«, der mich auch zu einem gewissen Teil zu meiner Weltreise motiviert hat. Hector, ein Psychologe -welch Zufall-, geplagt von seinem langweiligen Job, macht sich auf die Suche nach dem Glück in dem er eine Weltreise unternimmt und seine Erkenntnisse in kleinen Sprüchen in einem Tagebuch festhält. Und ich denke an eine der Schlüsselszenen des Films zurück, in der Hector erkennt, dass das Glück nicht nur aus ewigwährender Freude besteht, sondern aus der Mischung aller Gefühlsebenen wie Trauer, Freude, Angst.


Und GERADE DANN, wenn all diese Gefühlsebenen an einem Punkt zusammentreffen, dies die Momente absoluten Glücks sind, weil man sich dann in Gänze spürt. «Genau so ein Moment ist das!«, denke ich. Ich atme tief ein, genieße das letzte Licht und Grinse vom Serotoninüberschuss in die Nacht, die mir gleichzeitig die Sorgenfalten auf die Stirn zieht. Sieht sicher lustig aus. Dementsprechend ist der Film auch eine Komödie zur Info.


Und dann ist es Nacht. Und zwar richtig Nacht. Nur noch das Licht meiner Stirnlampe in kreisrundem Ausschnitt erhellt meinen Weg. Es ist gerade mal 20:30 Uhr und ich sehe rein gar Nichts mehr. Ich beschließe ins Zelt zu gehen. Auf der Mauer entlang ist zu gefährlich, die nur aus einem kleinen Pfad besteht. Rechts und links geht es 10 Meter in die Tiefe.


Ich lege mich lieber Schlafen. Also ich versuche es zumindest. Der Boden ist Hart. Der Schlafsack gibt nicht all zu viel Dämpfung. Ich lege mich auf den Rücken und meine Stirnlampe erhellt die Decke des Zelts. Wasser habe ich keins. Das war ja aus und ich merke wie schnell so ein Mund wieder trocken wird und nach Wasser lächzt. Aber ich habe tatsächlich ein wenig Internet hier. Wow. Also bin ich nicht ganz allein und schreibe mit ein wenig. Immer wieder fallen ein paar Steine von der Mauer, die im Turm in die Nacht hallen und mich wieder ein wenig aufschrecken lassen. Man wird einfach hellhöriger, wenn man allein ist. Ich glaube zu zweit wäre das nich so wild hier. Aber allein is irgendwie anders. Nun gut, wäre vielleicht noch eine nicht vorhandene Freundin mit hier, würde das auch nicht helfen. Im Zweifel würden die Geräusche die ich gerade draußen höre, meine bessere Hälfte eher dazu ermuntern folgenden Satz zu sagen «Schaaaaatzzzz, geh doch mal nachschauen was das war. Vorher kann ich nicht schlafen.«, was ich dann natürlich auch tun würde und müsste. So kann ich allein, die Geräusche einfach um mein Zelt geschehen lassen ohne – nur mit Unterhose und Taschenlampe bewaffnet - einen Blick nach draußen werfen zu müssen. Auch nich verkehrt, gerade weil ich in der Nacht nicht nur einmal von Steinen, Wind der am Zelt zieht oder anderen unbekannten Tiergeräuschen und Rascheln aus dem Schlaf gerissen werde.






Der harte Boden fordert seinen Tribut als ich am Morgen mit gehörigen Rückenschmerzen aufwache. «Doch too old fort the shit«, denke ich noch als ich den Reißverschluss des Zeltes um kurz vor 5 Uhr morgens öffne. Der Anblick lässt die Schmerzen ganz schnell verschwinden. Erst jetzt sehe ich die Mauer, wie sie sich hier ganz eingepasst an die Berge anschmiegt, dahinter die saftigen Berghänge voller Wälder, weit und breit keine Ortschaft und die ersten Vögel zwitschern, dass ich es tatsächlich gemacht habe. Eine Nacht auf DER MAUER.










Meine Laune ist phänomenal und drückt sich aber nicht -wie man vielleicht vermuten würde in einem Freudeschrei über das langsam erhellende Tal aus – nein..is ja eh keiner da, der das hören würde. Mir schießen plötzlich Witze in den Kopf..... Hey….ich bin ein Ossi auf der größten Mauer überhaupt! Also fange ich an mit meinem Lieblingswitz


« Wie macht man aus einer Banane einen Kompass? Man legt sie auf die Berliner Mauer. Da, wo abgebissen ist, ist Osten.«

und ich lache mich -allein – auf der Mauer kaputt. Leider habe ich keine Bananen als Verpflegung eingepackt ich Idiot….wäre n super Bildwitz geworden.


«Ein Schwein kommt an einer Steckdose vorbei, schaut rein und sagt: Arme Sau, haben sie dich eingemauert.«




Ich breche noch symbolisch ein Stück Mauer heraus und sage mir selbst schmunzelnd



«Die Mauer muss weg« und da ist schon meine Gastgeberin wieder da und wir bauen das Zelt ab. Geplant ist jetz am Morgen noch 3-4 Stunden auf der Mauer zu wandern. «Mit ihr?«, denke ich etwas misstrauisch wenn ich mir die Höhenunterschiede der Kämme im Morgengrauen so genau anschaue. Sie zeigt mir wieder die Übersetzungsapp. «Ich solle allein einfach Richtung Osten. Irgendwann kommen dann auch Wege die wieder ins Dorf führen. Ich soll aufpassen. Der Weg ist gefährlich.« und dann gibt sie mir wie immer lächelnd und kurzangebunden ein «Byebye« mit auf den Weg und ist wieder weg.





Na dann…..geh ich mal wandern. Allein im Morgenlicht …











die Mauer für mich. Die Belohnung für die lange kurze Nacht als mich die ersten Sonnenstrahlen wärmen und mir das Grinsen ins Gesicht legen. Der Weg ist tatsächlich nicht ohne und die Mauer oft nur einen Fuß breit während rechts und links steiel Abhänge warten. Auf Türme muss ich klettern, da die Eingänge versperrt oder ganz und gar zerfallen sind. So wollte ich sie Erleben die Mauer. Meine Mauer.









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