• Sascha @ YOLO andersWO

Meine Woche mit den Shaolin im Kung-Fu-Kloster - Dali, China

Aktualisiert: Mai 14

Es ist Dämmerung. Schummriges Abendlicht. Der intensive Duft von buddhistischen Räucherstäbchen schwebt in der Luft. Um mich ein Kerzenmeer auf der Gabentafel, die reich gedeckt ist. Kahlrasierte Mönche in ihren gelben und braunen Roben erfüllen die Szene mit hypnotischen Gesängen und Versen begleitet von stetig rhythmischem Trommeln.


Ich knie nieder auf das leuchtend gelbe und wunderschön bestickte Gebetskissen vor mir als der Zeremonienmeister mit leichtem Kopfnicken und sanfter Handbewegung nachunten dazu bittet. Niederknien, erst die Linke, dann die rechte Hand geöffnet aufs Kissen legen, in das ich dann das Gesicht zum Gebet versenke. Aufstehen und im Augenwinkel auf das Zeichen des Zeremonienmeisters achten, wann wir das nächste Mal gemeinschaftlich den Kopf zum Gebet senken, während die Nacht nach und nach Einzug hält, der Vollmond direkt vor uns zügig am Horizont emporsteigt und mit ihm auch die Kerzen ein mystisches Licht auf das Kloster im Hintergrund werfen.




Ich bin überwältigt von dem Anblick und der Zeremonie, dessen Teil ich sein darf. Es ist Mondfestival eines der wichtigsten buddhistischen Feste überhaupt und ich bereits seit einigen Tagen Bewohner des Kung-Fu-Klosters Wu Wei Si außerhalb in den Bergen von Dali im Südwesten Chinas auf 2300 m Höhe.


Als ich wieder vom Kissen aufschaue und die Gesänge, Lichter, Mond, betende Menschen und Mönche sehe, versinke ich kurz in mir und kann selber kaum glauben, wo mich die Reise so hingeführt hat und denke, dass ich mich wohl selten so wohl gefühlt habe. Ich habe in den letzten Tagen so viel Wohlwollen und auch so viel Humor an einem Ort erlebt, an dem ich das so nicht erwartet habe, obwohl hier im Kloster eben eigentlich nix ist, was man sonst so gewohnt ist. Eine ganz besondere Erfahrung für die ich unglaublich dankbar bin.









Aber zurück zum Anfang. Wie bin ich eigentlich hierhergekommen? Da in Lijiang (glücklicherweise…siehe Blog Lijiang) irgendwie nix ganz so geklappt hat, wie eigentlich geplant und Tibet nun aufgrund der horrenden Kosten für mich abgehakt ist, habe ich einfach noch ein wenig Zeit in China. Der Flug für mein nächstes Ziel Nepal geht erst in einer Woche. Und immer dann, wenn eine Tür zu geht, geht ja bekanntlich eine andere auf……Meine Tür war Jossi aus Israel, den ich im Hostel in Lijiang kennenglernt hatte. Der erzählt an seinem letzten Abend in geselliger Runde von einem verstecken Kloster nur etwa 2 Stunden Zugfahrt von Lijiang entfernt, wo er dann eine Woche zusammen mit Shaolin Mönchen leben und Kung-Fu lernen will!


«What!!!?!?! Echt jetz? Und da kann man einfach hin?«, fragen wir. «Ja. Einfach hingehen und wenn ein Platz frei ist, gehts los. Vorbuchen is nich….is n Kloster«, meint Jossi.

Also jetzt bin ich mal gespannt wie ein Flitzebogen…... Mit Mönchen leben? Kung-Fu? Soll ich?!?!….Blöde Frage, die ich mir da selbst stelle. Du lebst nur einmal! YOLO! Und ein paar Tage später stehe ich im Wald vor dem Eingang des Klosters, der Rechts und Links mit Grimassen schneidenden Fabelwesen geschmückt ist, die übermannsgroß und schwertschwingend selbigen bewachen. Ein Mönch mit kahlgeschorenem Kopf empfängt mich als er mich vorsichtig durch das Tor ins Kloster einschleichen sieht. Er gibt mir zu verstehen, dass ich mein Gepäck ablegen und einfach mitkommen soll.



Ich schlage zur Mittagszeit im Kloster auf und werde prompt zum Essensraum gebracht, in dem 5 Mönche, ein paar chinesische Frauen und eben auch ein paar westliche Kung-Fu Schüler an Holztischen und mit Reisschüssel in der Hand um gut gedeckte Holztische sitzen und in aller Stille essen. Ich bekomme eine Schüssel und soll erstmal essen. Gern!

Muss ich was beachten?




Die anderen Schüler nehmen mich direkt an die Hand und machen mich mit den Regeln vertraut. Ja…. Erstmal gibt’s Regeln im Kloster. Gerade beim Essen. Lektion Eins: «Sitze gerade. Beide Füße auf dem Boden. Beim Essen herrscht Stille. Die Reisschlüssel ist immer in der Hand und steht während dem Essen nicht auf dem Tisch. Biete zuerst den anderen etwas an, bevor du dir selbst etwas von den Gemeinschaftstellern in der Mitte der Tische nimmst. Und…was du dir in deine Schüssel nimmst, wird aufgegessen und zwar alles. JEDES REISKORN. Und zwar auch dann wenn etwas auf den Boden fällt. Das ist kein Zwang aber eher ein Zeichen von Respekt für die dargereichte Mahlzeit, für die von den Mönchen zum Beginn jeder Mahlzeit auch ein kurzes Gebet abgehalten wird, dem wir mit zum Gebet zusammengeführten Händen lauschen. Wer fertig ist, kann gehen, aber es wird sich respektvoll mit Verbeugung und den Worten «Ami to Fo« - was soviel heißt wie «Gesegnet sei Buddha« von jedem Tisch einzeln verabschiedet.


Okay kapiert. Mir scheint es eine schöne kleine Gruppe zu sein. Alle Helfen und sind gewillt zu helfen und ich fühle mich direkt aufgenommen und wohl. Es ist selbstverständlich, dass wir den alten Damen, die das Essen für die Mönche und uns zubereiten, beim Abwasch helfen, was wohlwollend auch gern mit einem «Chi Chi« (Danke) und einem in tiefe Gesichtsfalten gelegten Lächeln der Damen gedankt wird. Im Kloster leben nur 5 Mönche, nochmal so viele Helferdamen und dann eben 5-10 Kung-Fu-Schüler. Ein kleines Kloster eben….ganz still im Wald.

Nach dem Essen zeigt mir Markus aus Deutschland mein Zimmer, in dem ich die nächste Woche verbringen werde - einen kleinen Holzverschlag in das ein Bett, mein Rucksack und eine kleine Holzbank passt. Licht…Nope. Strom….eine Gemeinschaftsteckdose im Flur. Gemeinschaftstoilette ala «echt übel« AUßERHALB des Klosters im Wald. Internet…Nope. Wasser….von der Quelle außerhalb des Klosters. Natur, tiefe Erfahrung und ganz bei den Mönchen…JA, ABSOLUT!




Markus oder «Markusse« wie ihn die Mönche mit einem Schmunzeln gern nennen, ist schon ein Weilchen hier und gehört irgendwie auch für die Mönche schon zum Inventar. Daher wird er gerne mit der Einweisung der neuen Schüler betraut und sollte wohl eher Geld vom Kloster bekommen als die knapp 60 Euro zu zahlen, die eine Woche im Kloster kostet…. Vollpension versteht sich.



Dafür werde ich ganz umsonst jeden Morgen um 5:30 Uhr mit dem ersten Morgengebet geweckt. Ein schwingender Gong und dann 1,5 Stunden hypnotischer und durchdringender Gesang…Spoiler: Nach einigen Tagen gewöhnt man sich dran und pennt dann auch bei dieser Lautstärke aufgrund des mantrischen Tons der Gesänge wieder ein.

Um 7 geht es dann aber definitiv raus und zwar zum Frühjoggen - jeder für sich - an den etwa 20Minuten entfernten Bergfluss, der für mich und ein paar andere Schüler zum morgendlichen Bad genutzt wird. «ERRRRRRFRISCHEND…Jetzt bin ich wach!« Es gibt zwar im Kloster tatsächlich eine Dusche, jedoch ist das Wasser dort eher noch kälter als im Bergfluss. Dann lieber der Bergfluss als Riesenbadezimmer. Wir müssen eh zum Fluss, denn bereits die erste Aufgabe jeden Morgen besteht für die Schüler darin vom Fluss einen flachen Stein zu holen und auf dem Kopf balancierend zurück zum Kloster zu bringen, was erstaunlicherweise nach den ersten Fehlversuchen wunderbar klappt. Haltung bewahren!




Und das erstaunliche für mich ist, dass ich mich nach den ersten beiden Tagen WIRKLICH auf jeden Morgen unglaublich freue! Echt jetz! Ich bekomme jetzt beim Schreiben schon wieder Sehnsucht danach am Morgen mit Blick durch die saftig grünen Bäume der umgebenden Wälder die langsam aufgehenden Sonne durch die Blätter blitzen zu sehen, die dann langsam das weite Tal unter mir mit dem riesigen Dalisee erhellt, während ich zum Fluss laufe. Die Einsamkeit, Klarheit und Kraft des Wassers zu spüren, während ich bade, um mich dann zu freuen, wenn ich den Felsen auf meinem Kopf fehlerfrei zurück zum Kloster gebracht habe. Manchmal ist es so einfach mich glücklich zu machen, denke ich und wundere mich über mich selbst.






Um 8 Uhr treffen wir uns alle im gemeinschaftlichen Essenraum zum Frühstück. Natürlich wird gemeinschaftlich mit Klosterangestellten, Schülern und Mönchen gegessen. Jeder hilft beim Auftragen und Aufräumen und auf den Boden fällt ja eh nix. Muss ja alles aufgegessen werden…eigentlich gar keine schlechte Regel, um alles sauber zu halten.

Dann geht’s wirklich los…. Kung-Fu Training. Wir trainieren zwei Mal am Tag. Von 9 bis 12 und von 16 bis 18 Uhr. 5 Stunden Training pro Tag! Workout muss dann nicht mehr unbedingt sein.


Wir versammeln uns am Vorplatz, wo Jimbo, unser Kung-Fu-Lehrer, zunächst mit gemeinsamen Dehnübungen einsteigt, dann Liegestütze und erste Grundübungen. «Mabo!« heißt die erste Grundstellung im Kung-Fu bei der die Beine weit auseinander stehen und man im tiefen Sitz die Fäuste geballt nah an den Körper presst.

Und schon mit der ersten Übung kommt mit Herzklopfen ein wenig Bruce Lee Feeling auf. Was aber so richtig Laune macht, sind die dann folgenden Massagen, um so ziemlich alle Muskeln und Fasern im Körper aufzuwärmen. Das ist auch notwendig, wie ich später merken werde. Wir massieren uns gut eine halbe Stunde gegenseitig. Entspannend…. Jeden Morgen eine Massage…auch n Glücklichmacher.


Ein Glücksfall ist auch Susi, eine der Schülerinnen, die aus Dali kommt und zufälligerweise chinesische Medizin studiert hat. Sie kann die richtig guten Massagesachen, die wir uns im Stille-Post-Verfahren reihum dann gegenseitig beibringen…harter Ellenbogeneinsatz und Fingerstretching inklusive… echt gut! Einen Haken hat die Sache jedoch. Nach den Massagen kommen DIE Dehnübungen…. für Masochisten. DA müssen wir täglich alle durch. Meine Lieblingsübung? Auf den Rücken legen, die Beine weitestgehend im rechten Winkel zum Körper nach oben gestreckt und soweit wie möglich gespreizt. Der Clou…zwei Gehilfen drücken nun deine Beine eingeklemmt zwischen Ihre Beine nach unten und schööööönnn nach hinten…das zieht wunderbar in der Leistengegend. Leidet einer besonders machen wir uns gern einen Spaß und zählen die 30 Sekunden, die wir die Tortur durchleben müssen, einfach nochmal…«verzählt…sorry«. Für die Mönche ist eine solche Übung eher ein Kinderspiel. So zeigt uns Jimbo immer wieder eindrucksvoll wie er einfach mal die Beine in dieser Übung fast auf den Boden bringt oder das gestreckte Bein über den Kopf. Okay……jedem das Seine.


Nächste Lektion ….Techniktraining. ….. Einführung? Nein. Es geht direkt los. Viele der anderen sind ja schon ein paar Tage hier und es heißt einfach mit- und nachmachen. Ich bin fasziniert von den Figuren und Techniken, die Jimbo uns zeigt. Dann wieder «MABO!« Die Grundhaltung. «Und Faustschlagen…nach rechts – dann nach links im Wechsel« wobei ich direkt erstmal zum Enzeltraining verdonnert werde und die Grundstellungen nochmal üben muss. Das sieht zwar alles einfach aus, aber die Feinheiten werden von Jimbo peinlich genau überprüft…da gibts keinen Spielraum für Jimbo. Also üben. Das ist aber kein Beinbruch. Joachim aus Norwegen, der schon ein paar Tage hier ist, muss auch mit mir zur Mabo-Nachschulung. Und ich werde auch nicht der einzig Doofe bleiben.

Viel weniger einfach sind darauffolgend die Sprünge, die wir üben. Nicht etwa ein wenig Gehüpfe zum warm werden. Nein. Bruce Lee Kick…beidbeinig gespreizter Kick…drehende Schläge im Sprung. Alter! ECHT? Geile Sache! Genau das habe ich mir vorgestellt. Mega!

Das sieht mal geil aus. Also bei Jimbo zumindest, der bei einigen Sprüngen in der Luft zu stehen scheint. Beeindruckend! Eigentlich wollen wir immer erstmal applaudieren, bis wir merken, dass wir das jetz einfach mal nachmachen sollen. Bei mir sieht es eher nach Bruce Darnell statt Bruce Lee aus.

Viel besser klappt da schon das Feintechniktraining oder auch «Der Tanz«, wie John einer der Schüler aus Israel es nennt. Eine Art Choreographie, die in der letzten halben Stunde jedes Trainings jeder für sich selbst durchführt. Eine eeeeecht lange Choreographie aus verschiedenen Figuren, die Tage braucht, bis man sie ansatzweise beherrsche oder genauer gesagt ich sie mir erstmal merken kann. Auch hier hat Jimbo kein Erbarmen mit den sauberen Figuren. Alles muss genau sitzen. Zeige ich ihm stolz den nächsten Abschnitt, den ich noch am Vorabend extra im Halbdunkel ehrgeizig auf dem Trainingsplatz 50mal geübt habe, werde ich bereits bei der dritten Figur zurückgepfiffen. «Der Fuß muss grade sein!«…«die Hand muss höher und so weiter.«, «Okay….practice!«, meint Jimbo dazu. Und das machen wir. Zusammen im Team und auch alleine. Wir helfen uns und sind stolz und freuen uns mit jedem Fortschritt, den jeder macht.




Und so bleibt und ist das Training locker, lustig und entspannt, wenn auch echt anstrengend. Jeder ist engagiert und der Spaß bleibt sicher nicht auf der Strecke. Alle sind schließlich freiwillig hier und wir können übrigens jederzeit gehen, wenn wir denn wollten.


Gerade einer der Mönche sorgt ganz besonders für gute Laune …«Funny Monk« wie wir ihn gern nennen oder JinDing wie er sich bei mir am ersten Tag mit seinem riesen Lachen und High Five auf die Kralle bei mir vorstellt und immer einen Joke auf den Lippen hat. Mega Typ – Gedankeneinschub zu mir….«also vorher hatte ich noch keinen Shaolin gehighfived«- auch Mega irgendwie.


Gerade JinDing, der super Englisch spricht, gibt aber auch einen großen Einblick in die Hintergründe des Klosterlebens und als Mönch, wenn wir uns am Abend nach dem zweiten Training in der Gruppe gern im Abendlicht in der Bibliothek des Klosters unterhalten.

JinDIng ist erst seit ein paar Monaten hier und hat wie alle Mönche auch eine Vorgeschichte. So erzählt er uns auch davon, dass das das Kloster aus dem Film Kung-Fu Panda ist. Der Direktor des Films hat hier zwei Jahre lang gelebt, wodurch das Kloster (Wu Wie Si) ein wenig Berühmtheit erlangt hat. Und auch die Figur des Meisters ist dem Kloster entnommen. Der Meister oder Shifo wie er hier genannt wird, ist leider gerade nicht da. Er ist nur mal eben SIEBEN JAHRE in einer nahegelegenen Höhle zum Meditieren und daher gerade unpässlich. Aber JinDing zeigt uns Fotos von ihm und er sieht der Ratte, die im Film den Meister spielt, wirklich verdammt ähnlich. Klein, Spitzbart, etwas gebückt, schelmisches Grinsen. Auch andere erzählen uns später, dass der Shifo genauso ironisch und witzig ist, wie der Meister aus dem Film und die gefüllten Teigbällchen, die der Panda als Hauptfigur des Films so gerne isst, gibt es hier auch reichlich zum Frühstück. Coole Vorgeschichte.

Auch JinDings Vorgeschichte lässt erblicken, dass er eben ein Mensch ist, der seine Gründe hat im Kloster zu sein. Und am Humor gemessen, scheint es ihm ja gut zu tun. Er war Kung-Fu Lehrer in Peking mit einer eigenen großen Kung-Fu-Schule – daher das gute Englisch. Frau und Kind hatte er auch, aber irgendwas ist passiert, womit er nicht so recht rausrückt und für uns auch ein kleines Rätsel bleibt. Wir wissen nur, dass da was schiefgelaufen ist und er nun alles aufgegeben hat und sein Weg ihn hierhergeführt hat, um uns mit seiner guten Laune jeden Tag zu bereichern und seinen Kung-Fu Künsten zu begeistern.

Die Freie Zeit zwischen dem Training verbringen wir gerne im Teehaus, was in der Nähe des Bergflusses liegt. Hier hat ein alter Taiwanese eine kleine Oase geschaffen mit eigener Teeplantage vor der Haustür, wo ich vor allem die Zeit mit Paul und Markusse quatschend und Tee genießend verbringe. Die beiden sind einfach super drauf. Paul baut sich sein eigenes Business auf…er war lange Skilehrer und hat versucht mit Boulderhallen in Norwegen den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Beeindruckend. Markus ist schon seit über 4 Wochen im Kloster und bleibt auch noch. Zusammen machen wir Sport und reden über alles, was war und was ist und was vielleicht mal wird. Zwei mega Typen einfach. Die findet man eben nur hier.


Paul ist sogar so ein feiner Kerl, dass er nach ein paar Tagen im Kloster eine Hochdruckwasserspritze mit den Mönchen besorgt, um endlich mal das, sagen wir mal BESCHISSENE Klohaus zu reinigen. Das ist übrigens stilecht wunderbar offen gestaltet und man kann sich beim Hocken gegenseitig zuschauen….wenn man denn möchte. Trotzdem Danke Paule für deine Reinigungsleistung, der diese Leistung nur mit den Worten «Ich habe mich noch noch nie so dreckig gefühlt« quittiert.

Mit Paul beschließe ich auch am nächsten Tag das Angebot des Teemeisters anzunehmen und für knapp 10 Euro unseren eigenen Tee zu machen. Also echt vom Pflücken bis zum Verpacken. Selfmade – was dann doch nicht so einfach ist und wir für die ein kleines Körbchen Tee gut 1,5 Stunden Pflücken. Sind die Blätter zu dunkel, sind sie zu alt und der Tee wird bitter. Dasselbe passiert, wenn sie zu jung und klein sind. Am Ende reicht es für ein kleines Paket Tee für jeden. Aber liebevoll per Hand gepflückt, was dann auch mein Mitbringsel aus China für meine Eltern wird.

Den tiefsten Einblick bekomme ich durch Sofia. Sofia ist eine Russin, die seit einigen Jahren in Dali lebt, zum Buddhismus konvertiert ist und wie eine Art Teil des Klosters ist ohne Mönch zu sein. Sie ist Teil der Zeremonien und kennt alles und jeden hier. Ihre selbsternannte Aufgabe ist die Dokumentation der Chroniken des Klosters. Ein Fundus des Wissens für mich.


Ich treffe sie am freien Tag im Kloster, an dem ich tatsächlich der einzige Schüler bin, der im Kloster geblieben ist. Die Anderen sind in die Stadt gefahren, um Vorräte aufzufüllen oder wie die beiden israelischen Mädels «Sich mal wieder so richtig zu besaufen!«.

Sofia nimmt mich mit in eine der Gebetszeremonien und erklärt mir flüsternd die einzelnen Schritte. «Achte auf die verschiedenen Töne und Gesänge« sagt sie. «Die Änderungen von Rhythmus und Geschwindigkeit sind gewollt und bringen dich in eine Art Hypnose, wenn du dich darauf konzentrierst.« Sie erzählt mir auch, dass die Mönche die Gesänge, die sie von den langen Gebetrollen ablesen, oft gar nicht verstehen. Manche Gesänge sind in Sanskrit, der alten tibetischen Sprache, und sind nur in Lautschrift übersetzt, die die Mönche dann einfach vorlesen.


Es ist wirklich etwas anderes und für mich wirklich Besonderes Teil einer solchen Zeremonie und der Gebete zu sein. Zwei Stunden lang beten, singen, staunen und Räucherstäbchen in klarer Abfolge anzünden. Es ist hypnotisch und faszinierend. Ich erinnere mich an meine erste Fernreise in Thailand vor ein paar Jahren, als ich überwältigt, das erste Mal die Gesänge der buddhistischen Mönche ganz weit entfernt in den Tempeln gehört habe. Und jetzt bin ich ganz nah, ganz Teil. Einmalig.

Erst mit Sofia sehe ich, dass jeder Winkel des Klosters wohlüberlegt und mit Sinn erbaut und positioniert ist. Das Kloster selbst ist anhand der 5 Elemente im chinesischen Buddhismus erbaut. Wald…im Innenhof stehen viele Bäume. Erde symbolisiert der rechteckige Innenhof. Wasser wird durch den Koiteich in der Mitte des Hofs dargestellt und die Letzen Elemente Feuer und Metall werden durch den Feuerkessel im Hof gezeigt. Alles hat eben seinen Sinn. «Und diese Anordnung findet sich überall« erklärt mir Sofia. «Hast du auf dem Weg zum Kloster was bemerkt?« fragt sie mich. «Ähhhhh…..« antworte ich. «Entlang des Weges führt ein Fluss. Das symbolisiert Wasser. Der Weg daneben ist dicht mit Bäumen als eine Art Allee bepflanzt…Wald.«

Auch die riesige Wand vor dem Kloster am Berghang hat einen Sinn. Das Ibu -so heißt die

Wand, die man auch vor größeren chinesischen Häusern gern sieht - hält die bösen Geister und Gedanken vom Tal fern. Dort herrscht das Schlechte, steht auch auf dem Tor geschrieben, wenn man Richtung Tal auf Dali schaut. «drehe dich um und du findest Glückseligkeit« Dort steht das Kloster. «Jaaaaa….der Shifo hat Humor!« meint Sofia nur über den Spruch am Tor lachend.

Und tatsächlich bekomme ich am letzten Abend ein wirklich komisches Gefühl als ich das Tor sehe. Es ist ein anderes Gefühl wirklich Teil des Lebensstils - auch wenn nur für kurze Zeit – der Mönche zu sein. «Ich könnte ja auch hierbleiben« meint JinDing am letzten Abend…«die Frisur hätte ich ja schon…ich müsste ja nur noch die Kutte wechseln!«.

Aber tatsächlich geht für mich eine der tiefgehendsten Wochen meines Lebens vorbei mit beeindruckenden Menschen, Zeremonien, als Teil der buddhistischen Gemeinschaft, als «Darnell« Kung-Fu-Schüler, mit neuen Freunden und einer großen Erfahrung über Einfachheit und die Sicht auf die Dinge reicher. Selten ging es mir tatsächlich mit so wenig so gut. Das Wasser mussten wir an der Quelle holen, aufs Klo außerhalb des Klosters hat man sich in der Nacht kaum getraut, das Training anstrengend und Elektronik war ja eh so gut wie gar nich. Und trotzdem…«Dreh dich um und findest dein Glück« bleibt mir im Hinterkopf.

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