• Sascha @ YOLO andersWO

Ouzo mit dem Busfahrer? - Krasnojarsk, Russland

Aktualisiert: Mai 14

Nach 13 Stunden Zugfahrt komme ich morgens in Krasnojarsk an. Ich bin müde, habe kaum geschlafen. Mein Abteilnachbar in der dritten Klasse hat die ganze Nacht echt krass geschnarcht….okay jetz weiß ich wie das für die eine oder andere Freundin ist. Der Zug rattert die ganze Nacht und die Sonne steht um kurz vor 6 am Himmel. Also ich habe echt rote Augen…die ich selbst spüre.

In Krasnojarsk am Bahnhof…nach allen Sicherheitkontollen…wie immer….merke ich schnell, dass Krasnojarsk keine Metro hat, sondern nur ein Bussystem.... okay.

Das Hostel ist 5 Km weg. Laufen?

In dem Zustand mit vollen 19 Kg Gepäck und Gitarre…? No way. Also schaue ich wo die Busse fahren ….ein Schild „ Bus Tickets“. Da hin, denke ich.

Ich frage am Schalter nach der Station, die ich mittlerweile über google rausgesucht habe. Also um genau zu sein – ich zeige der Dame am Schalter die Übersetzung der Station in kasyrillisch aus wikipedia…aber erst nachdem sie mich kurz warten lassen hat um die Fensterscheibe ihres Schlalters sorgfältig zu putzen. Ich bin übrigens seit 5 Minuten der einzige hier. Aber so viel Zeit muss sein. Sie wiegelt ab und versteht erst nicht. Dann gibt sie mir zu verstehen, dass es sich hier um den Tourbussschalter handelt und sie mit den Stadtbussen nix zu tun hat. Sie zeigt nach draußen. Also raus.

In google sehe ich einige Linien die mein gewünschtes Ziel ansteuern. „glavpost“. Aber keine dieser Linien hält hier.

Ich laufe mehrmals um den Platz und suche nach anderen möglichen Stationen. Bis ich eine finde. Die 8. Die fährt in die Nähe des Hostels. Und da steht ja auch eine 8! Aber der Bus ist irgendwie nur abgestellt. Die Kassierin des Busses ist aber drin (in Russland wird man entweder durch den Busfahrer oder eine Kassiererin im Bus zur Kasse gebeten - meist Zweiteres). Ich zeige ihr die gewünschte Station und sie sagt „Da“. Aber sie meint es dauert noch ein Stück bis zur Abfahrt. Zumindest deute ich das so.

Ich bin der einzige Fahrgast im Bus. Nach ein paar Minten kommt der Busfahrer und steigt ein. Kassiererin und Busfahrer tauschen sich kurz aus. Er kommt auf mich zu und quatscht drauf los. Natürlich in russisch.

Er sieht ein wenig aus wie ein griechischer Restaurantbesitzer, der immer gut gelaunt allen anwesenden Gästen einen Ouzo ausgibt und auch einen mittrinkt.

Auf Kosten des Hauses versteht sich. Ein Herzmensch auf den ersten Blick…der gute Wille und Schnabel schneller als die Möglichkeiten.

Er fragt mich wo ich hin muss. Ich zeige ihm das Hostel bei Booking und auf der Karte und er meint ich bin richtig – muss aber dann ein wenig laufen und er versucht mir den Weg zu verdeutlichen. Alles in einer Art Zeichensprache versteht sich.

Wir fahren los.

Die Kassierin kommt zu mir und möchte den Fahrpreis. „Skolko“ (wieviel) frage ich. Und sie antwortet - auf russisch. Alles was über das Zählwerk der ersten Grundschulklasse geht sitzt bei mir jedoch nicht wirklich sattelfest. Also schaue ich sie auch an wie eben solches fragendes Grundschulkind.

Hinter mir ruft die einzige andere Mitfahrerin: „thirtynine“ . Ich gebe 50 Rubel und bekomme 31 zurück. Okay…also entweder die Sprache oder die Rechenkünste passen hier nicht. Is auch egal. Ich tippe auf Ersteres, da die Kassiererin noch lang mit mir über den großen Schein diskutiert. (50 Rubel sind ca. 80 cent. ).

Wir halten an einer Ampel an. Der Busfahrer steigt vom Sitz- mitten im Verkehr – mitten im hupenden Stau.. Und kommt nach hinten in die Fahrgastkabine……wohin?!?…..zu mir!

Mittlerweile ist der Bus auch gefüllt. Er fragt mich noch einmal nach dem Hostel. Ich zeige es auf Booking und er fragt nach der Telefonnummer des Hostels.

Also.... genau genommen zeigt er auf das Hostel…dann auf sein Handy und sagt „Numero“.

oder so ähnlich. Ich gebe sie ihm. Mittlerweile hupt es ….es ist grün, der Stau löst sich auf. Der Busfaherer tippt aber noch die Nummer ab und ruft an.

Es hupt noch lauter.

Er winkt wild gestikulierend aus dem Fenster zu den hupenden Autofahren in der Art »ich bin beschäftigt - gebt Ruhe«. Er sprintet nach vorn zum Lenkrad….Handy am Ohr und spricht mit meinem Hostel….er scheint zu Fragen wo es ist und ob die Reservierung bestätigt ist.

Sieht gut aus! Zwischendurch fragt er lautstark die mittlerweile 30 Leute im Bus, ob irgendeiner deutsch oder englisch spricht. Der ganze Bus scheint die Story eh schon gespannt zu verfolgen und die Omis schauen mich verschmitzt und mit einem leichten Lächeln von hinten an als ich mich umdrehe. In der Art „Ah... ein Ausländer“. Der ganze Bus scheint nun darüber zu diskutieren wie ich am Besten ans Ziel komme.

Ein junger Mann gesellt sich hinter mich und zeigt mir in sehr rudimentärem Englisch auf google wo ich bin und wo ich hin muss. Und zeigt das der Bus da nicht ganz langfährt.

Das hört wohl auch der Busfahrer und wir biegen ab. Der junge Mann zeigt auf den Busfahrer und sagt mit einem Lachen „other way now“.

Der Busfahrer des städtischen Linienbusses fährt für mich mit dreißig Leuten an Bord einen Umweg. Zum Hostel. WTF.

(Für meine Eltern: WTF - What the fuck...heißt so viel...»krasse Sch....e»). Dann kommt der junge Mann wieder. Hier müsse ich raus. Der Busfahrer grinst aus seiner Kabine nach hinten und zeigt in die Richting die ich muss. Ich schnappe mir meinen Rucksack, gebe dem »griechischen« Busfahrer die Hand mit festem Druck „Spasiba“ und steige aus.

An anderer Stelle hätten wir wohl den ein oder anderen Uzo zusammen getrunken. Und ich winke dem Bus zu. Und der ganz Bus schaut auf mich …der Busfahrer und der junge Mann winken zurück. Spasiba Lieblingsbusfahrer.

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