• Sascha @ YOLO andersWO

Treffen sich zwei Autos - Ulan Bator, Mongolei

Ulan Bator, die Hauptstadt der Mongolei, empfängt mich mit strömenden Regen. Am Bahnhof fangen mich gleich mehrere Mongolische Tourbetreiber ab, die mir Ihr Tourangebot oder ein Taxi anbieten möchten. Nach der Nacht mit Schlafentzug an der mongolischen Grenze will ich davon erstmal nichts wissen, sondern einfach ins Hostel.


Aber um mich zu orientieren wäre Internet nicht schlecht? Eine Handykarte muss her. Am kleinen Bahnhof, der irgendwie nicht den Eindruck eines Großstadtbahnhofs macht, sondern eher die Größe des nächstgelegenen Bahnhofs meiner vogtländischen Heimat in Plauen hat. Wobei der Plauener Bahnhof sogar ein paar mehr Gleise hat. Leider werde ich am Bahnhof einer Simkarte nicht fündig und nehme dann doch die hartnäckigste Taxibetreiberin, die mir verspricht mich direkt zum Hostel zu bringen. Für 5000 Turug. Turug ist die Währung in der Mongolei und ich konnte am Bahnhof gleich etwas mit meiner Visa abheben. 1 Euro sind ganz grob 3000 Turug. Also ganz günstig das Taxi.


Leider wusste ich da noch nicht, dass es in Ulan Bator trotz gegebenenfalls längerer Strecken besser sein kann zu laufen. Ulan Bator besitzt nämlich kein wirkliches öffentliches Verkehrsnetz wie U-Bahnen oder Straßenbahnen. Es gibt nur ein spärliches Busnetz. Und das bei knapp 1,4 Millionen Einwohnern. Was das heißt is klar…..Verkehrschaos. Das merke ich schnell am eigenen Leib. Die Taxifahrt von 4 Kilometern dauert ziemlich genau eine Stunde. Zu Fuß hätte ich in gemütlichem Tempo etwa 45 Minuten gebraucht. Wieder was gelernt und das war dann auch meine letzte Taxifahrt in Ulan Bator.


Wobei über die Straße gehen in Ulan Bator auch nicht wirklich besser ist. Es gibt zwar überall Ampeln und Zebrastreifen aber die interessieren häufig herzlich wenig. Manchmal ja, manchmal nein. Interessanterweise regeln hier häufig trotz Ampeln Verkehrspolizisten zusätzlich den Verkehr. Hanoi ist zwar schlimmer aber immerhin nah dran. Später merke ich übrigens warum das mit dem Verkehr so ist, denn die gefühlt einzigen Ampeln und auch wirklich asphaltierten Straßen stehen und sind nun mal in der Mongolei nur in Ulan Bator sonst gibt es kaum welche im Land und damit auch keine wirklichen Verkehrsregeln. Die Hupe gewinnt dann wie üblich an Bedeutung, um die persönlich geltenden Verkehrsregeln zu verdeutlichen.


Ulan Bator ist eine echte Großstadt und deutlich moderner als ich es mir vorgestellt habe. Zumindest im Stadtzentrum. Dieses wird durch den Freiheitsplatz, dem Regierungsgebäude, den ein riesiger sitzenden Dschingis Khan ziert und modernen Büro- und Geschäftsgebäude geprägt. Geht man aber etwas außerhalb, nehmen dann auch die Straßenzüge aus Dreckpiste wieder zu.









Ein Mitreisender den ich später kennenlerne, sagt mir, dass das vor ein paar Jahren als er das letzte Mal hier war, deutlich weniger modern war. Da konnte man noch zwischen den Hochhäusern und Wohnblöcken kleine Gers (so heißen die Jurten – wie wir sie kennen – hier wirklich.) sehen.


Die Stadt wächst an allen Enden. Über die Hälfte aller Mongolen lebt in Ulan Bator. Obwohl die Mongolei fast 5mal so groß ist wie Deutschland leben hier im Schnitt nur 2 Menschen pro Quadratkilometer. Realistisch gesehen ist es noch weniger, da die Hälfte der Mongolen ja in Ulan Bator lebt…also nur einer pro Kilometer. Zum Vergleich sind es in Deutschland knapp 250 pro Quadratkilometer. Also Platz für das eigene Fußballstadion im Garten wäre also da. Die Mongolei ist somit das am dünnsten besiedelte Land der Erde. Gerade am Stadtrand ist dies für mich deutlich zu erkennen. Dort wechselt sich abrupt die Stadtlandschaft mit seinen noch im Bau befindlichen Wohnkomplexen mit der saftig gründen Berg-Steppenlandschaft ab und bietet einen Vorgeschmack auf das was die Mongolei außerhalb der Stadtgrenzen zu bieten hat.




Im Hostel angekommen, dass in einem Hinterhof im Grunde in einer Wohnung liegt, geben mir die zwei jungen Betreiberinnen zu verstehen, dass es leider keinen Schlüssel mehr für die Tür gäbe und diese alle schon an andere Gäste vergeben wären. Ich muss also klingeln, aber sie ist immer …IMMER da, versichert sie mir.


Ich gehe erstmal was Essen. Das schöne ist, dass ich in der Mongolei mit meinen in Russland neu erworbenen kyrillisch Kenntnissen punkten kann. In der Mongolei wird seit Sowjetzeiten kyrillisch geschrieben. Das Alphabet unterscheidet sich in nur zwei Buchstaben einem E und einem O. (Es gibt aber auch eine mongolische Schrift, die wie arabisch aussieht). Problematisch ist nur, dass die Sprache eine andere ist….mongolisch eben. Nur einzelne Wörter sind gleich. Wie etwa «Boksal« für Bahnhof. Trotzdem hilft es zum Beispiel beim Essen bestellen und dem Lesen der entsprechenden Karte, sofern man die Wörter denn kennt. So habe ich zum Beispiel schon aus meinem Lieblingsbuch «Mittendurch statt drüberweg« von Kuschuur gelesen. Das sind traditionelle mongolische Teigtaschen, die mit Fleisch gefüllt sind. Generell ist die mongolische Küche recht fleischlastig und fettig und besteht meist auch zu einem Teil aus Ziegen- oder Schaaffleisch. Ulan Bator als Millionenstadt bietet aber an jeder Ecke eine Menge Auswahl anderer internationaler Küche. Gerade koreanisch ist bei den Mongolen recht beliebt.





Gegen 12 Uhr nachts bin ich zurück im Hostel. Der Treppenaufgang ist – wie auch manchmal in Russland - unbeleuchtet und ich bin sehr dankbar für meine Stirnlampe, die ich immer im Rucksack habe. Ich klingle am Hosteleingang und…..keiner öffnet. Ich versuche es erneut. Einmal, zweimal….zwanzig Mal! Ich klopfe….und rufe die Handynummer des Hostels an. «The number you’ve dialed is temporarilly not available.« ICH BIN MÜDE UND WILL IN MEIN BEEEEEETTTTTT! Nach gut 45 Minuten in der ich mich schon nach anderen Übernachtungsmöglichkeiten erkundigt habe, kommt ein anderer Hostelgast …mit Schlüssel! Gott sei dank! Ich bin drin. Im Hostel suche ich nach den Hostelbetreiberinnen und….finde Niemanden. Aha….«immer, immer da?». Von mir aus. Ich gehe schlafen und höre nach einer halben Stunde die laute Klingel des Hostels. »Die is ja voll nervig«, denke ich und frage mich warum denn keiner der anderen Hostelbewohner (die ja da waren) mir geöffnet hat, wenn einem die Klingel beim zweiten Mal schon so auf den Sack geht. Ich habe ja eine halbe Stunde lang geklingelt…..ich bezieh das jetz mal nich auf mich…….


Ich erbarme mich nach dem dritten Klingeln und öffne die Tür. Wer steht vor mir? Die Hostelbetreiberinnen. BEIDE. Ohne Schlüssel zum eigenen Hostel. Okay….das is zwar löblich und selbstlos allen anderen den Schlüssel zu geben, aber sicher nicht so ganz durchdacht. Naja. Ich bin ja schon drin.


Ich bin ein wenig geschafft von der Reise und den vielen Ereignissen in letzter Zeit und beschließe es in den nächsten Tagen ruhig anzugehen. Ich muss nicht alles sehen und wenn ich das Tempo so halte, werde ich irgendwann Reisburnout haben. Ich schaue mir also ganz gemütlich zunächst das Gandan Kloster an. Einer der Highlights von Ulan Bator. Hier kann man manchmal sogar den Dalai Lama persönlich treffen. Ich habe ihn nicht getroffen. Dafür fühlte ich mich kurz zurückversetzt in eine meiner ersten Backpackingreisen nach Thailand als ich zum ersten Mal die buddhistischen Gesänge der Mönche bei einer Morgenzeremonie hören konnte. Irgendwie fasziniert mich der einheitlich brummelnde Ton noch immer und ich lausche gern, während ich die riesige goldene Buddhastatue (29m) im inneren des Tempels umkreise und auch jede Gebetsmühle zum Drehen bringe.



Aber was weiß ich denn schon über die Mongolei? In Russland kennt man ein wenig die Geschichte. Aber Mongolei? Keine Ahnung. Also ab ins Nationalmuseum, in dem zwar ein ganzer Raum nur Dschinghis Khan und seinen Eroberungen gewidmet ist, viel interessanter finde ich aber die neuere Geschichte der Mongolei im 20 Jahrhundert. Von den tiefen Verbindungen der Mongolei zu Tibet und der Beherrschung durch China, die erst 1921 ihr Ende fand und der Anschluss als Sowjetstaat in den folgenden Jahren. Die Mongolei war der erste Sowjetstaat überhaupt und das übrigens freiwillig. Mein Guide in der Gobi, den ich später treffe, erzählt mir, dass die Sowjetzeit durchaus gut für die Mongolei war. Vorher gab es einfach gar nix in der Mongolei. Die Sowjetzeit brachte wirtschaftliches Wachstum und Anerkennung. Er ergänzt dies mit einer kleinen Anekdote, die man sich in der Mongolei erzählt. So gab es vor der Sowjetzeit nur 2 Autos in der Mongolei und die hatten am ersten Tag der Zulassung in Ulan Bator auch noch einen Unfall. Dies fasst wohl gleichermaßen die mongolische Verkehrsmentalität und wirtschaftliche Situation vor der Sowjetzeit zusammen.






Am Abend schaffe ich es endlich meine Seminararbeit fürs Studium, die ich zum Großteil in der Transsib geschrieben habe fertigzustellen. Das hat echt genervt. Blog schreiben, Reise weiterplanen, Unwägbarkeiten umschiffen, Erlebnisse haben und verarbeiten und dann noch das blöde Abgabedatum im Nacken. Ich lasse es mir dann auch nicht nehmen am Schluss der Arbeit auf die Eidesstattliche Erklärung, die die eigenhändige Erstellung der Seminararbeit bestätigt, neben der Unterschrift auch den wahren Ort der Abgabe festzuhalten: «01.08.2019, Ulan Bator«. Bin mal gespannt, ob die Dozentin das liest.

Nachdem die Arbeit online versendet ist, will ich das natürlich mit einem Bierchen in der nächsten Bar feiern. Leider wiegeln die Mongolen ab. Ein anderer Tourist erklärt mir. «Am ersten Tag jeden Monats ist alkoholfrei in der Mongolei» Na klasse. «Auch für Ausländer, die was zu feiern haben?!?!« Anscheinend ja….Dafür lasse ich es dann am nächsten Tag gut krachen und verbringe den Abend mit ein paar Franzosen im ZÜ Club, der bei seichten ( :-D)) Elektro- und Technoklängen zum Verweilen einlädt (Ich wollt es ja ruhig angehen lassen :-))….....und mir am nächsten Tag auch gute Kopfschmerzen bereitet. Das Nachtleben in Ulan Bator wird als berüchtigt beschrieben….is es auch …zumindest das, was ich noch weiß.






Infos für Weltenbummler:


In der Mongolei herrscht ein recht unterschiedliches Preisniveau. In Ulan Bator sind die Preise moderat. Ein Hotelzimmer bekommt man ab 30 Euro. Hier kann ich übrigens sehr das Diplomat Hotel empfehlen. In dem ich nach meiner Gobi Tour (nächster Blog) ein paar Tage war. Hostels gibt es ab 5 Euro. Häufig sind diese mit nur einem Bad für 10 Leute ausgelegt. Große Unterschiede in den Hostels konnte ich nicht erkennen. Außerhalb von Ulan Bator wird das Preisniveau dann oft teurer aufgrund fehlender Möglichkeiten.


Restaurants

.....gibt es in aller Vielfalt. Von deutsch (ja deutsch!) über mongolisch und koreanisch, chinesisch, Italiener etc. gibt es alles was eine Großstadt so bieten kann. Das Preisniveau nimmt außerhalb des Zentrums ab. Ein Essen mit Getränk im Restaurant kostet etwa 5-8 Euro. Burger King....Doppelwhopper Menü kostet 5 Euro. Ein Bier (0,5l) kostet etwa 1,50 € manchmal auch nur 1€.

....empfehlen kann ich das Chingis...hier gibt es deutsches Essen und Bier nach deutschen Reinheitsgebot :-)...mal zur Abwechslung.

....die koreanischen Restaurants und mongolischen haben für mich keinen Unterschied gemacht und die gab es an fast jeder Ecke.


Cafe...

...ich kann das Tom n Toms südlich des Suukbathaar Platzes empfehlen. Das hat sogar eine Sonnenterasse. (ist zwar ne Kette aber was Solls)



Englisch wird nicht immer gesprochen. Auch in Hotels nicht unbedingt. Zahlung mit Visa Karte ist meist möglich in Hotels und besseren Restaurants.


Bargeld kann man mit Visakarte an allen Automaten abheben. Es gibt genügend in Ulan Bator....am Bahnhof, öffentlichen Plätzen und Supermärkten.


Sehenswert ....

....ist das Gadan Kloster. Hier kann man zwischen 9 und 12 der Morgenzeremonie der Mönche folgen. Der Eintritt ist frei.

....ist das Nationalmuseum....Eintritt 3,50€. Sehr interessant fand ich die neuere Geschichte der Mongolei. Der Ausioguide kostet zwar nochmal 3€ hatte aber durchaus interessante Zusatzinfos.

....ist auch das Kriegsdenkmal im Süden der Stadt. Siehe Foto oben. Dort hat man einen Überblick über die gesamte Stadt und sieht die Grüne Stadtgrenze. Vom Zentrum muss man aber etwa 50 Minuten hinlaufen.



Medizin

....wer zum Zahnarzt muss....musste ich nämlich.....für eine Füllung....dem kann ich die Dentaris Dental clinic im Süden der Stadt empfehlen. Professionell und meine Füllung inkl. Zahnreinigung und Fluorier hat 30€ gekostet. Ein Termin vorab ist hilfreich. Es wird ein wenig englisch gesprochen....aber eben nur ein wenig.

...Apotheken gibs wie Sand am Meer

....ACHSO...ich habe überall Sonnencreme gesucht und in keinem Laden gefunden. Entweder bin ich zu blöd oder die Mongolen brauchen keine.


Wäsche...

....waschen in Hotels und Hostels ist häufig teuer....mein Hostel wollte 10 Euro von mir. Ich kann den Salon Metro Express nahe dem Stadtzentrum leicht im Norden empfehlen. Wenn man die Wäsche am Vormittag abgibt, bekommt man Sie bis 19 Uhr gewaschen, knitterfrei und trocken am selben Tag zurück. Kosten 5€ egal welche Menge. Man kann hier auch seine Schuhe mal waschen lassen ...(gut wenn man aus der Wüste kommt)...kostet auch 5€ und dauert einen Tag inkl. Trocknen.



Wer feiern gehen will

....ich kann den ZÜ Club empfehlen. Durchaus ein Schicker Club mit 2 Floors (Elektro und Hip Hop). Altersschnitt zwischen 25 und 40. Nicht unbedingt günstig. Der Gin Tonic kostet etwa 6 Euro. Bier 4 Euro soweit ich das noch beurteilen kann.





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