• Sascha @ YOLO andersWO

Wer zuletzt kommt - Jekaterinburg nach Novosibirsk

Ich verabschiede mich von Jektareinburg. Auch hier ist sicher ein voller Tag ausreichend um die essentiellen Dinge zu sehen. Außer man will ins Umland, wo es auch noch ein Kloster gibt. An der Stelle wo die Romanows vergraben wurden. Aber das ist eher so ein Tourist Ding. Nix für mich und auch teuer.

Es liegen nun 22 Stunden Zugfahrt vor mir nach Novosibirsk. Ich laufe die 2km vom Hostel in Yekaterinburg zum Bahnhof um noch etwas zu essen und mich mit Verpflegung einzudecken. »Zug 522 war es?» Sag ich zu mir selber, während ich die Anzeigetafel im Bahnhof checke »...ja 12.12 kommt der Zug an«....er soll aber erst 12:51 abfahren..laut Anzeigetafel.... passt. Es ist 11:30 Uhr. Ich habe also noch eine Menge Zeit um die Vormittagssonne vor dem Bahnhof zu genießen.



Ich gehe nach draußen vor den Bahnhof, lege mein Gepäck ab und entspanne auf einem der Betonnischen. 12.08 Uhr beschliesse ich in den Bahnhof zu gehen und dann direkt schon einzusteigen...sicher ist sicher. Ich schaue noch einmal flüchtig auf mein Ticket um die Wagennummer zu checken, denn in den Zug kommt man immer nur im richtigen Wagon. Sonst wird man weitergeschickt.

Da trifft mich der Schock!

Mein Zug ist nicht der 522, wie ich dachte. Das war die Nummer des letzten Zuges den ich hatte aus Kazan. Es ist Nummer 100.... und der fährt in genau EINER Minute ab!


Ich sprinte zum Gleis. Den Rucksack nur halb aufgeschnallt auf einer Schulter. Die Gitarre auf Halbmast und den Verpflegungsbeutel wild umherschwirrend. Am Gleis....Der Zug is noch da......Die Zugbegleiterinnen haben die Treppen zum Zug schon oben und sind Abfahrtbereit. Eine EINZIGE Tür ist aber noch auf....ich sprinte hin....die Schaffnerin wiegelt ab....zu spät zu spät.....oh NEIN. Das war das teuerste Ticket was ich bisher gekauft habe (50 Euro) und ich komme nicht mit???....Ich strecke ihr mein Ticket entgegen, schmeiße die Gitarre auf die Zugtreppe ....mit Augenrollen schaut sie auf das Ticket.....und und .....Sie erbarmt sich und schreit »Natasha!«, womit die Zugbegleiterin im nächsten Wagon (nämlich meinem Richtigen) gemeint ist. Die Zugtreppe senkt sich noch einmal für mich und ich steige ein. Puh. Das hätte ich fast versemmelt. Wieder mal mehr in den Beinen als im Kopf.

In meinem Zugabteil sind 2 Männer eine Frau ....ich schnaufe vor Erschöpfung vom Sprint und atme tief durch. Bis mir der tolle Geruch meiner beiden männlichen Abteilgenossen in die Nase steigt. Beide Oberkörper- und Sockenfrei in Shorts. Und sie scheinen hier schon länger drin zu sein. Naja ...»dobri dien« (Guten Tag).


Leider kommt diesmal zunächst kein wirkliches Gespräch zu Stande....sie sprechen nur russisch. Also wird geschlafen, gemüffelt und gegessen. Es kommt gerade in den Abteilen der 2. Klasse eben darauf an, wer die anderen drei im Abteil sind. In der 3.Klasse sind das 54. Hier eben nur 3. Und das ist eben immer Glückssache, .wie mit dem Arztepärchen auf dem Weg von Moskau nach Kazan (Blog 10 Worte).





Kein Gespräch....dann kann ich mich andere Dinge kümmern...Seminararbeit...Blog schreiben....Fotos sichten....all das braucht auch ziemlich viel Zeit, die ich 22 Stunden im Zug brauche.



Später ändere ich meine Meinung über meine Mitfahrer, die mittlerweile zur Hälfte ausgetauscht sind. Ilias spricht mich an und Svetlana steigt ein.....er etwa Mitte 30 und sie Mitte 40. Die beiden hatten schon eine Weile gesprochen, von dem ich natürlich nix verstanden habe.


Ilias hat bemerkt, dass ich viel auf dem Handy schreibe und fragt, ob ich Schriftsteller bin. Also »fragen« ist an der Stelle übertrieben. Was er tatsächlich tut, ist mit tippenden Bewegungen auf sein Buch zu zeigen, dann auf mich und dazu einen fragenden Blick aufzusetzen. Ich antworte mit etwas verzogenem Gesicht und leichtem Kopfschütteln, gefolgt von einem »Njääääää», was so viel bedeuten soll wie »nicht wirklich». Ich zeige ihm meinen Blog und er fragt, wo ich schon war....St. Petersburg, Moskau, Kazan und so weiter....er nickt. »Russia you like?«.... so viel English ist drin von seiner Seite. »Choroscho« (gut, schön)...soviel russisch von meiner. Er muss noch ganz weit nach Sibirien und fährt schon seit 2 Tagen und hat auch noch 2 vor sich. Das erklärt den Geruch.




Vielmehr werden wir dann auch nicht mehr sprechen, aber ich merke wieder einmal:

Die Russen wollen sich unterhalten. Ich hatte bisher keine Fahrt in der Keiner mit mir reden wollte....gerade sobald man merkt, dass ich kein Russe bin. Die Gitarre und mein Name helfen aber übrigens auch um ins Gespräch zu kommen. Ich könnte jetz wirklich gern mehr russisch.



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