• Sascha @ YOLO andersWO

Zwei für Eins - Im Zug von Ulan Bator nach Peking

Ich habe alles gesehen in der Mongolei, was ich sehen wollte. Es geht weiter ins Land des Lächelns. Fliegen? Nein. Ich will die über 8000 Km von St. Petersburg nach Peking mit dem Zug reisen. Mittendurch. Insgesamt habe ich auf der Reise von Köln schon über 12000 Km zurückgelegt und so viel erlebt. Ich fühle mich nicht so als wäre ich erst 7 Wochen unterwegs. Es fühlt sich an wie ein halbes Jahr. Jeder Tag ist einfach so unglaublich gefüllt und intensiv – in alle Richtungen die das Leben so zu bieten hat. Eine Weltreise – Meine Weltreise ist etwas ganz anderes als eine Urlaubsreise. Vor allem im Kopf. Eine tolle Erfahrung. Und es geht weiter….


Ich möchte mir ein Zugticket kaufen für die Fahrt von Ulan Bator nach Peking. Der Zug fährt zwei Mal die Woche. Samstag und Sonntag. Im Internet sehe ich, dass nur noch Tickets für die nächsten beiden Sonntage möglich sind. Kurzfristig buchen im Internet in Ulan Bator geht leider nicht. Zumindest nicht ohne eine Agentur die überhöhte Preise verlangt. Also gehe ich zum Bahnhof. Der Ticketschalter für internationale Züge befindet sich links neben dem Bahnhofsgebäude in Ulan Bator im zweiten Stock, für die es interessiert und nicht im Bahnhof herumirren wollen, wie ich.


Ich stelle mich in die Schlange. Nach einer halben Stunde, wo sich immer wieder Leute vordrängeln oder zwischendurch über Kreuz mit den Schalterdamen sprechen, komme ich dran. »Bejing?«, frage ich. Die Dame sagt mir in gebrochenem Englisch, dass das der Busschalter wäre. Ich müsse zu Schalter 3 oder 5. Ich bin an Nummer 2……Fu…..k! Also nochmal angestellt.


Als ich dran komme, versteht die Mitarbeiterin mich zwar, dass ich nach Peking will, kann mir aber nicht wirklich in Englisch antworten. Ein kleiner Mann in Anzug hilft und übersetzt gebrochen. Ich müsse Samstag wieder kommen. Es ist Donnerstag und die Bahnmitarbeiter würden wohl erst am Samstag ein FAX bekommen mit den verfügbaren Plätzen. «Echt jetzt?!?! Fax?!?!«, denke ich als ich den Computer vor der Bahnmitarbeiterin stehen sehe. Aber naja.


Der Zug fährt schon am Sonntag morgen 07:30 Uhr ab. Das klingt knapp. Hab ich eine Wahl? Nein.


Also sage ich dem Mann im Anzug, dass ich dann Samstag morgens wiederkomme um mein Ticket zu kaufen. Er schüttelt mit dem Kopf. »No. Saturday evening! 5 P.M. « Erst um fünf?! Ich kann also erst zwölf Stunden vor Abfahrt das Ticket kaufen, für einen Zug der 32h Stunden fährt und nur einmal die Woche und bei dem keiner weiß ob noch Plätze da sind?«....... Die Bahnmitarbeiterin nickt gelassen und zustimmend. Dann eben Samstag. Hoffentlich klappt das, da der nächste Zug erst eine Woche später fährt. Genau einen Tag nachdem mein Visa ablaufen würde. Dann müsste ich das Visa verlängern, was aber in der Mongolei für weitere 30 Tage übrigens für etwa 30€ kein Problem ist. Also nicke ich auch und lasse es drauf ankommen.


Pünktlich 16:55 Uhr am Samstag stehe ich am Schalter und frage nach »Train? Bejing?«. Die Bahnmitarbeiterin schaut verdutzt in Ihren Computer und meint »Lux!«.


«Lux?!?!«, frage ich zurück. Ich weiß nich was sie will.


Plötzlich springt wieder der kleine Mann im Anzug neben mich– übrigens im selben Anzug wie letztens - und übersetzt. «Wohnt der hier?«, denke ich noch. Da gibt er mir zu verstehen, dass alle Plätze gerade verkauft seien. Es gäbe nur noch Luxusklassetickets. Ich schränke die Arme über den Kopf. »Hast du mir nich gesagt, ich solle FRÜHESTENS um 5 Uhr am Samstag wieder hier sein? Vorher gibs keine Tickets?!?!.«, denke ich und frage ihn das auch…..in gaaaaaaaanz leicht sarkastischem Unterton. «Yes, but there were some people who bought them.«


Okay…..ich sage, dass ich erstmal überlegen müsse. Im Internet hatte ich gelesen, dass die 1. Klasse (lux) etwa 320€ kostet. Ganz schön teuer. Da kann ich auch fliegen. Aber das will ich ja nich. Die zweite Klasse sollte 160€ kosten für die 1,5 Tage Zugfahrt. Auch teuer, aber im Budget. Nach 10 Minuten weiterer Recherchen hilft es nix. Ich stelle mich wieder an und gebe der Mitarbeiterin zu verstehen, dass ich das Ticket nehme. Sie tippt einen Preis auf einen Taschenrechner und zeigt ihn mir: 477.000 Turug. «Oh Mann. So viel!!!!«......Sie stellt mir das Ticket aus. 1. Klasse…….So viel Geld….. aber dann überlege ich kurz. Warte mal…..1€ sind 3000 Turug. Dann…… is das doch gar nich so viel! Nämlich genau 163€. Habe ich gerade ein erste Klasse Ticket für den Preis eines zweite Klasse Tickets bekommen?!?!


Jap…habe ich, wie ich am nächsten Tag feststelle. Lucky guy.






Der Unterschied zwischen erster und zweiter Klasse? In der ersten Klasse hat man nur zwei Betten statt vier im Abteil und man teilt sich einen kleinen Waschraum mit dem Nachbarabteil. Da ich anscheinend so spät gebucht habe, habe ich sogar ein ganzes Abteil für mich und 32 Stunden Zugfahrt Zeit. Dann entstehen hier ein paar Blogs.






Das spannendste an der Zugfahrt von Ulan Bator nach China ist aber der Grenzübergang. Der Grenzübertritt allein wird 7 Stunden dauern an dem wir in Zumudd Uun bzw. Erlian stehen werden. 2 Stunden davon auf mongolischer Seite und 5 Stunden auf chinesischer Seite.


Gegen Abend kommen wir an der Grenze an. Wie üblich kommen die mongolischen Grenzbeamten in den Zug und sammeln die Pässe ein, die man dann eine Stunde später wieder bekommt. Den Zug darf man währenddessen nicht verlassen. Auch werden , wenn der Zug steht, generell die Toiletten verschlossen. Das sollte man vorher wissen. Falls man sich vor der Grenze zum Wachbleiben noch 3 Kaffee einflößt.


In Erlian auf chinesischer Seite läuft das etwas anders ab. Kurz vorher läuft ein chinesischer Bahnbeamter mit einem englischen Text aus der Übersetzungsapp durch die Abteile. Das ist doch echt nett! Im Text steht: »Die nächste Station ist Erlian, die chinesische Grenze. Bitte steigen sie mit all Ihren Sachen/Gepäck aus dem Zug aus und unterziehen sich den Kontrollen und leisten Sie keinen Widerstand. Falls Sie Probleme haben sollten wenden sie sich an uns«….Okay….ich leiste keinen Widerstand. :-)


Das machen ich dann auch gegen 21 Uhr. Das Grenzgebäude ist modern. Die Grenzbeamten freundlich. Das hatte ich anders erwartet. Immer wieder gestern ja schaurige Geschichten über die Bildschirme und das chinesische Polizistentum.


Bei der Passkontrolle werden auch die Fingerabdrücke abgenommen. Elektronisch. Nach dem der Kontrolleuer meinen Pass gescannt hat, erfolgt die Ansage für den Fingerabdrucksanner sogar in Deutsch. Wow! Fortschritt der begeistert. Nicht schlecht.

Der Grenzbeamte schaut noch auf mein Foto und auf mich…… und lacht. «Wat soll dat denn jetz ?« denk ich und er fragt «What happend to your hair?« Ich sage schmunzelnd »Thats the right question.« Er lacht und gibt mir den Pass zurück. Widerstand gegen Freundlichkeit ist nunmal zwecklos.




Willkommen in China.


Warum dauert das nun 5 h am Grenzübergang? Das Besondere am Grenzübergang ist der Spurwechsel des Zuges von russischer (breiterer) Spur auf die auch in China und Deutschland übliche kleinere internationale Zugspur. Unser Zug wird also aufgebockt. Wagon für Wagon und der Unterbau des Zuges gewechselt. Das dauert. Wir verbringen diese Zeit im Bahngebäude.





Um 1 Uhr können wir zurück in den Zug. Müde. Ich falle in mein Bett und merke wie wohl ich mich mittlerweile in den Zügen fühle. 32 Stunden Zugfahrt? Kein Problem. Gern. Zumindest die Schlafwägen sind echt entspannend für mich mittlerweile und gewohnter Alltag. Das hätte mir mal einer vorher sagen sollen, dass stundenlang im Zug zu sein, wie ein kleiner Urlaub von der Reise ist. Ich hätte ihm wohl nicht geglaubt.

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