CONTACT me

  • YouTube
  • Instagram

»Echt jetzt? Alles gekündigt mit 34? Ist schon mutig«...höre ich des Öfteren in letzter Zeit. Im gleichen Atemzug kommt dann aber direkt: »Oh, das würde ich auch gern«, »da bin ich aber neidisch«...und das aus jeder Altersklasse von 20 bis Ü60.

Denn gefühlt, ist bei jedem zweiten oder dritten den ich kenne eine Weltreise ganz oben auf der Liste der Lebensträume. »einmal um die Welt, das wärs!......aber«...gefolgt von so etwas wie »das Problem ist die Karriere, Kinder, Haus, Eigentum, kein Geld, bin ich da nicht einsam?«. Über all das habe ich mir natürlich auch meine Gedanken gemacht. 

In den letzten Monaten habe ich sogar sehr viel darüber nachgedacht. Bin ich vielleicht doch zu alt für diese Reise? Solltest du nicht auf das Häuschen sparen und macht deine Karriere jetzt einen Knick? Lief doch eigentlich ganz gut gerade. Und was ist eigentlich mit ner Frau und Kindern?

 

....Ganz nebenbei....Gut übrigens, dass das meine Eltern nicht so eng sehen mit den Enkeln und sich lieber wünschen, dass ich das Leben führe, mit dem ich glücklich bin als schnell einen Enkel/Enkelin. Auch dafür ganz lieben Dank an euch beide und auch an meinen großen Bruder, der das mit der Familienplanung für uns Brüder schon mal in die Hand genommen hat ;-). Auch wenn ich mir das mal wünsche, wenn‘s passt.

Aber zurück zum Thema: Zu alt? In der falschen Lebensphase? Zwischen 30 und 40....nennt man diese Zeit nicht die Rushhour des Lebens? Scheint zumindest so. Mitten im Leben vielleicht Kinder, der Traum vom Haus wird verwirklicht und muss abbezahlt werden, im Job ist man voll integriert und klettert die Karriereleiter nach oben und....und dann? Ja, die Weltreise, die eigene Firma gründen, das Musikinstrument lernen, in einer Band spielen, einen Roman schreiben...was auch immer....das kommt später, »wenn mal Zeit ist«. 

Und wann genau ist das? 

 

Wenn die Kinder aus dem Haus sind? Wenn das Haus abbezahlt ist? Wenn der begehrte Posten ergattert ist? Wohl bei den meisten nicht. Und bei mir wohl auch nicht. Vielleicht ist mir dann meine Familie viel zu wichtig und ich vielleicht auch nicht mehr so fit und abenteuerlustig, dass ich die Abenteuer erleben kann, die ich mir für mich wünsche. Mit 67 zum Everest? Mmmh....möglich aber ich glaube da sind dann schon viele wohlwollende Ereignisse nötig, dass bis dahin nix schief geht. Und auf das wohlwollende Schicksal auf so lange Sicht zu verlassen, will ich mich nun doch nicht. 

Man glaubt eben man hat ewig Zeit. Nur ist mir gerade im letzten Jahr bewusst geworden, dass dem nicht so ist. Ich glaube Frauen haben hierfür ein viel besseres Gespür als Männer. Bei Ihnen fängt nun einmal die biologische Uhr schon viel früher an zu ticken als bei uns Männern. Da wird einem die begrenzte Zeit wohl eher bewusst. Aber auch mir ist es bewusst geworden. Krankheiten im Freundeskreis…Krebs in der Verwandtschaft oder auch schon zwei ehemalige Klassenkameraden, die leider nicht mehr unter uns weilen. ​

Ich glaube gerade jetzt, denkt man noch man hat ewig Zeit und man bleibt auch ewig gesund. Aber genau das ist nun mal nicht der Fall. Erst jetzt wird mir wirklich bewusst, wenn einem die Eltern oder Verwandten, die schon etwas gereifter sind, zum Geburtstag vor allem Gesundheit wünschen. Weil sie im Laufe des Lebens nicht besser wird und wenn Sie nicht mehr vorhanden ist, alles andere keine Rolle mehr spielt. Deswegen ja auch das Thema mit der Männergrippe….als kleine Auflockerung am Rande.

 

Ich beobachte, wie der ein oder andere eben beim Träumen bleibt und die Dinge, von denen man als Kind oder auch als Erwachsener geträumt hat oder träumt eben nicht macht. Wegen den Grenzen im Kopf.  In einem Artikel, den ich kürzlich gelesen habe, standen die 50 Top Lebensträume der Menschen. Auf 15 der Top 20 standen Dinge die mit Fernreisen zu tun haben….die Weltreise auf Platz 2….die chinesische Mauer sehen und zum Mount Everest auf den folgenden Plätzen. Und ich werde das alles tun! Jetzt.

 

Übrigens finde ich mein Alter für diese Reise perfekt, um so mehr ich darüber nachdenke. Ich bin jung und fit genug um im Hostel noch nicht als richtig alt wahrgenommen zu werden oder eben zum Everest zu laufen bereits in Kathmandu bereits die Sauerstoffmaske  zu benötigen. Ich habe ein wenig Geld um mir auch mal was anderes als nur das schäbigste Hostel zu leisten. Ich habe genug Erfahrung um zu wissen, was ich brauche, was vielleicht schief gehen könnte, um Nein zu sagen und treffe die Entscheidungen die ich für richtig halte auch entgegen aller anderen, wenn es sein muss. Und ich habe andere Ziele fürs Reisen. Nicht nur Party, sondern eben auch Russland oder die Einsamkeit der Mongolei. Ich glaube mit Anfang zwanzig wäre vieles davon ganz anders gewesen und ich hätte mich mehr auf Party in Thailand oder ähnliches konzentriert. 

Heute weiß ich, wenn ich am Ende dieses Lebens auf dem Sterbebett liege und ich zurückblicke, will ich das Leben sehen, was ich immer wollte. Und dazu muss ich jetzt der Mensch sein, der ich immer sein wollte und dazu gehört eben die Dinge zu tun, die man will. Ich denke also bin ich, könnte man so schön sagen. 

Übrigens ist der beste Kompass aus meiner Erfahrung hierzu, die Dinge zu tun, die einem durch den Kopf schwirren, vor denen man aber ein wenig oder sogar so richtig Angst hat. Das sind die Glücklichmacher. Erstens weil man die Dinge eh nicht aus dem Kopf bekommt und wenn man die Angst überwunden hat, unglaublich stolz auf sich selbst und erleichtert ist und das macht glücklich. Mich zumindest. 

 

Warum es das Abenteuer und das Reisen ist, was mich so begeistert? Das Reisen habe ich von meiner Familie...als Kind mit dem Auto meinen zwei Brüdern durch Europa. Insbesondere meine Mutter war hier die ganz spontane mit 4 Jungs (inklusive meinem Papa) einfach ohne Plan und ohne große Buchung oft drauf los. Kleines Beispiel welche Ausmaße das annahm? Zu fünft im Fiat Tipo nach Kroatien (Mitte der 90er) nach 12 Stunden fahrt in der tiefsten Nacht ankommen und ohne vorher gebucht zu haben, klingelt meine Mutter an der Touristinfo und fragt nach einem Zimmer. Mit Moped voraus werden uns verschiedene Unterkünfte gezeigt….für meine Mutter ist das Richtige aber auch Nachts um 2 nicht dabei. Dann wird eben auch mal zu fünft im Auto gepennt. Davon erzählt man und eben nicht davon wenn alles im Pauschalhotel glatt läuft. Abenteuer….also meine Mutter. Das ist übrigens auch immer noch so...nur das die Herren Söhne nur noch einmal im Jahr dabei sind...dann aber geplant.

 

(Liebe Mama, falls du das liest und das wirst du ….das ist aus meiner Erinnerung, falls das hier zu persönlich oder falsch dargestellt ist…..das ist mein BLOG und du kannst rein gar nix machen.....:-) Nur Spaß.)  

Seitdem habe ich das Reisefieber nicht mehr losbekommen. Sigmund Freud hätte mit seiner Transaktionsanalyse und dem Eltern-Ich und so einen Heidenspaß bei mir. 

Zusammenfassung…warum Weltreise? Ich bin genau im richtigen Alter, es ist mir eh schon eingeimpft von meinen Eltern, ich habe keine Grenzen außer, die die ich mir setzte und mein Konto. Und ich will das Leben leben, dass ich mir wünsche und das besteht eben für mich aus meinen innersten Bedürfnissen, Sehnsüchten und Träumen und den Menschen um mich. Das ist für mich so und für jeden anders.